Zeitreise

Momentan fühl ich mich ein wenig wie bei einer Zeitreise. So als würde Mr. Spock mich zischen der Vergangenheit und der Gegenwart hin und her beamen. Dieser Eindruck manifestierte sich tatsächlich erst nach einem Bild, was ich letztlich gepostet habe. Ich in einem Poloshirt, dazu Jeans und Loafer und schon war die Erinnerung geweckt, an meine Zeit als junge Frau. Denn genauso liefen wir damals rum. Es blieb aber nicht bei dem einen Outfit, was ich schon vor Jahren trug, viele ander momentan angesagte Trends gesellten sich da noch dazu. Auslöser für den heutigen Blog war dann ein Gespräch in dem ich und mein Gegenüber in die Vergangenheit schweiften. Nicht wehmütig sondern absolut schön. 

Blue Curacao, Jeans und T-Shirt

Blicke ich zurück auf mein Leben vor nunmehr ca. 30 Jahren muss ich tatsächlich schmunzeln. Es war so anders als heute. Kaum einen Tag verbrachte man alleine, zu treffen war man fast ausschliesslich im Doppelpack oder in der Clique. Neben Schule, Studium dem ein oder anderen Job und dem Sport hatten wir alle irgendwie extrem viel Zeit uns immer wieder zu treffen. Ohne Internet und Smart Phone. Wir trafen uns Mittags zum Lunch, im Sommer im Schwimmbad, Abends in einer Bar oder einem Club. Fuhren einfach so aus Spass nach Paris zum Frühstücken, feierten das Leben und es gab wohl recht wenig Frust. Fahrradfahren und Spazierengehen standen nicht gerade hoch im Kurs. In unseren Cabriolets lässig gekleidet in Jeans und T-Shirt rum zu düsen aber schon. Wo ich auch schon beim eigentlichen Thema wäre, dem damals von uns so favorisierten Style. 

501 und Closed

Damals waren wir, wie heute auch, alle modebewusste Mädels die das Leben in vollen Zügen geniessen wollten. Unsere Uniform damals bestand aus Jeans, besonders beliebt die klassische 501 oder die Pedal Pusher von Closed, und T-Shirt, dazu für den sportlichen Aspekt einen Sneacker, etwas schicker im Ballerina oder Loafer, damals waren die von Tods mega angesagt, und dem Polo Shirt, gerne von Ralph Lauren. Auch die Bluse für den den Business Look oder den etwas edleren Auftritt in Kombination mit coolen High Heels durfte von Ralph Lauren sein. Das Oberhemd vom Freund geklaut war das ultimative Statement, ich bin nicht mehr zu haben. Ach, was fanden wir uns alle so cool und vor allem unkonventionell wenn wir uns trafen um gemeinsam einen Sekt zu schlürfen. Prosseco, Spritz und all das gab es noch nicht. Die Creme de la Creme war es auf einen Kir oder Champagner eingeladen zu werden. 

MCM und Cabrio

Neben unserem coolen Auftreten und der Sicherheit uns gehöre die Welt, legten wir viel Wert auf Statussymbole. Nicht wie heute die Hèrmes Bag oder die Chanel, das war uns in dem Alter zu bieder, wir wollten MCM. Später gab es auch Liebhaber von Louis Vuitton, das kam aber wie gesagt etwas später. Das A und O und das Ticket in unsere Clique war das Cabrio. Mein Herzenswunsch damals ein Peugeot 205 mit versenkbarem Dach. Keine Frage, ich bekam ihn nicht und griff auf einen Käfer zurück. Eine weise Entscheidung die ich nie bereute, liebte ich das knubbelige Ding doch bis es auseinander fiel. Meine Freundinnen fuhren Opel, Ford, Golf und eine bekam zum 18ten von ihren Eltern sogar einen Porsche 911, der Stolz über diesen Wagen war ihr jeden Tag angesehen und wir anderen waren genauso begeistert über dieses grosszügige Geschenk. Alles in allem lebten wir damals sehr dekadent. Es war nicht die Normalität sich mit Labels zu schmücken. Eine Rolex oder Cartier am Arm einer zwanzigjährigen war eine absolute Ausnahme. Wir sehnten uns aber auch nicht nach diesen Dingen. Wir wollten ein kleines Sortiment an wichtigen Stücken für uns haben, gingen selten Shoppen und bestellen im Internet gab es genauso wenig wie Sushi und Coffee to Go. 

Oben-Ohne Backgamon 

Obwohl es damals weder Internet noch Computer in unseren Buden gab, war es uns dennoch nie langweilig. Etwas was heute fast in Vergessenheit geraten ist, wir gingen Bowlen, spielten Billard oder, im Freibad im Sommer, eben oben ohne Backgamon. Auch das war damals völlig üblich. Keiner schämte sich halb nackt nur mit Mini Höschen im Schwimmbad zu liegen, in der Clique zu albern und eben zu spielen. Es war nichts anrüchiges dabei und auch keiner schaute da besonders hin. Ich weiss nicht ob es heute überhaupt noch erlaubt ist was für uns damals so völlig normal war. Was aber genau in dieser Zeit sich langsam einen Weg über den Badeanzug in die Mode schlich war der Body. Gerne mit hohem Beinausschnitt. Auch heute ist er wieder ein Trend. Dazu kamen enge hochgeschnittene Hosen. Audrey lässt grüssen. Ja natürlich nur Knöchellang mit einem hübschen Ballerina. Heute wieder mega in.

Radler, Jackett und Kostüm

Ich bin mir nicht mehr sicher wann wir unsere schlichten Pullover die wir im Winter trugen, auch die übrigens bevorzugt von Ralph Lauren, gegen einen Blazer eintauschten und wann es passierte, dass die Jeans dem Kostümrock wich. Zeitgleich kamen aber die Taschen von Louis Vuitton (bei mir nicht) dazu. So trafen wir uns jetzt Abends in der Bar als kämen wir gerade vom super wichtigen Meeting, was damals übrigens noch Termin hieß. Die Diskotheken Besuche wurde seltener und wir gingen vermehrt in Clubs. In hautengen Kleidern staksten wir auf unseren Pumps dank schwarzer Karten an den langen Schlangen der Wartenden vorbei. Trafen uns nicht mehr einfach so an der Bar sondern im VIP Bereich. All jene, denen der kurze enge Rock nicht behagte, die Griffen zur Radlerhose, so wie ich. Ein Body, eine Radlerhose und ein Jackett mit Schulterpolstern dazu, fertig war der Look der durchaus auch heute noch funktioniert. Den ich super gerne trage. Genau an dieser Stelle rief man damals den Catsuit auf den Plan. Meine Standart Ausrüstung für eine durchtanzte Nacht in einem der angesagten Clubs. Damals gerne mit Overknees getragen, unüblich ohne Absatz, ich liebte es! Die liebe zu dem hautengen Einteiler ist bei mir geblieben, über all die Jahre, viele endecken sie heute für sich neu. 

Curry Wurst statt Sushi

Nach der durchzechten Nacht, egal wer welches Outfit von uns trug, war der erste Weg bevor wir uns auf den endgültigen Heimweg machten, die Fahrt zur nächsten Raststätte. Die einzigen Möglichkeit damals noch etwas zu essen zu solch unchristlichen Zeiten zu bekommen. Es wurde sich also völlig unspektakulär ein Tablett geschnappt und zur Currywurst oder Erbsensuppe griffen. Dazu einen Kaffee oder eine Cola, wann zog eigentlich der Latte Macchiato in unser Leben? Ich erinnere mich nur noch an den Cappuccino mit Sahne. Mit Glück gab es mal eine Fahrt zu Mc Donalds, es kam auf die Uhrzeit an, im Konvoi versteht sich. Die heute so beliebte Dönerbude, die gab es nicht, daher war sie uns völlig fremd.

Saint Tropez und Sylt

Wir machten viel gemeinsam, sahen uns fast täglich und waren ein wirklich bunt geschmischter Haufen der, man kann es sich fast denken, natürlich auch den Urlaub zusammen plante. Kein Dubai oder Seychellen stand da auf dem Reiseplan, nein unsere Ziele waren Saint Tropez oder näher gelegen Sylt. Perfekt mit dem Auto zu erreichen, denn man kann es kaum glauben, Flugreisen waren damals die Ausnahme bei uns allen. Also setzten wir uns wieder in Bewegung in unseren geliebten Cabrios, in Kolonne versteht sich, vollbeladen bis unters Dach. Kilometer um Kilometer auf engstem Raum ohne Buchung rein ins blaue mit klarem Ziel vor Augen, wir wollten alle etwas erleben. Auch wenn mal eine Karre unterwegs verreckte, wir ließen uns den Spass nicht verderben, waren Meister der Improvisation, ach was war das schön und unkompliziert. 

Mr Spock beam mich zurück

Schon damals war zu befürchten dass Hochzeiten nicht mein Ding sind …

Wieder in der Gegenwart angekommen stelle ich mir nun eine Frage, was will uns die Mode mit ihren Revivals gerade sagen? Das Gefühl beim tragen der jetzt so angesagten Trends geht ja Hand in Hand mit der Erinnerung. Will die Mode uns eventuell zeigen wie frei wir doch damals waren? Wie sorglos? Zumindest in den meisten Fällen? Möchte die Mode uns sagen wie wir unser Zeit heute verschwenden? Indem wir immer erreichbar sind, Kommunikation nicht mehr von Angesicht zu Angesicht (Ok, hier wird es durch Corona gerade wirklich schwer) sondern durch das tippen von Nachrichten schnell durchs Netz gesendet, statt findet? Haben wir verlernt wie schön es ist ein Spiel zu spielen? Wollen wir immer mehr? Muss es wirklich immer der entfernteste Winckel auf der Weltkarte sein, nur um zu sagen da war ich dabei? Ist es wirklich die richtige Massage die wir da senden, wenn wir unsere Kinder schon mit Statussymbolen überhäufen? Kein Thema, ein Strampler von Gucci und Dior ist sicherlich niedlich und warum soll ich mein Kind vom Discounter kleiden wenn ich es selbst nicht tue, aber es ist nicht das was ich meine. Mir geht es um die Last die ich da mit auf den Weg gebe. Anders kann ich es nicht beschreiben, denn ein junger Mensch der materiell mit allem ausgestattet wird hat es später schwer diesen Standart zu halten. Er steht unter Druck, hier spreche ich von Erfahrung, genauso erfolgreich und beliebt zu sein, wie er es von Kindesbeinen durch die Eltern gewohnt ist. Und erst wenn er sein eigenes Geld verdient sieht er wie schwer genau das ist. An dieser Stelle muss ich meinen Eltern unendlichen Dank zollen, dass sie mir zwar alles ermöglichten was ich mir wünschte, genauso aber Grenzen setzten. Ich bekam also nicht masslos alles als Geschenk präsentiert und musst auch auf einiges verzichten was meine Eltern als unnütz ansahen. Genauso war mein Taschengeld doch eher begrenzt was mich schnell zu Jobs greifen liess. Die Wertschätzung dessen was ich mir dann aber leisten konnte war grösser nachdem ich sah die Taler fliegen einem nicht einfach so zu. Auch ein grosser Unterscheid zu dem Rest der Clique, meine Eltern waren tatsächlich immer für mich da. Auch wenn es das eine oder andere mal so richtig krachte, wir mal einander gerieten, so konnte ich mich doch immer auf sie verlassen. Das war wie gesagt bei anderen, die vielleicht materiell besser aufgestellt waren als ich, leider nicht der Fall. Ihre Eltern bezahlten in Form von Geschenken für ihre Abwesenheit. Ich glaube dieses Problem gibt es auch heute noch. Nur Liebe kann man eben nicht kaufen und das grösste Geschenk das Eltern einem Kind machen können ist für sie da zu sein. Ihnen Zeit zuzugestehen. Aber ich schwanke ab. 

Gestern und heute

Um bei den modischen Vorbildern zu bleiben und auch gewisse Idole, die Leben führten nach denen wir uns sehnten. Nach dem was wir erstrebten, es war gänzlich anders als heute. Damals war das Idol ein Schauspieler, ein Model, jemand aus dem Bekanntenkreis und auch die Eltern. Wir liessen uns von Zeitschriften inspirieren oder einer der damals wenigen Serien die es gab. Wir wurden damals nicht täglich damit zu gebombt was denn nun Trend sei oder nicht. Es gab keine Dauerbeschallung und Kaufanimationen. Die wenigsten hatten als Ziel berühmt zu werden. Wir wollten glücklich sein. Die einen strebten danach besondere Erfolge im Beruf zu erlangen, andere hatten den sehnlichsten Wunsch nach einer Familie. Was es auch war, wir akzeptierten es. Die Toleranz der unterschiedlichsten Ziel war einfach gegeben. Heute stehe ich der Endwicklung, die sehr viel mit den sozialen Medien zu tun hat, sehr kritisch gegenüber. Die Helden sind heute oft Social Media Stars. Berufswünsche wandeln sich von der Schauspielerin zur Trash TV Darstellerin. Zum Medien Star. Die Kids verfolgen ihre „Stars“, wollen auch dieses „einfache“ leben von Glamour und Prunk. Shopping wird zum Hobby, zur Alltagsbeschäftigung. Stundenlanges starren auf die schillernden Welten, im iPhone, weckt Sehnsüchte nach mehr. Es wird suggeriert es sei normal, dass eine nicht mal zwanzigjährige einen unendlichen Fundus an Designer Bags besitzt. Die Hèrmes, die Lady Dior, die kleine Chanel, sie baumelt am Arm von Kindern. Die Reise, sie wird nicht mehr in einem Auto angetreten, nein, jetzt jettet man schnell mal nach Dubai auf einen Drink. Die Perfektion der Körper und Gesichter, wie Klone, es wurde zum erstrebenswerten Ziel gemacht. Mir macht das Angst. Der ewige Vergleich. Mir gefällt das alles nicht denn im Gegensatz zu einem Erwachsenen, der sicherlich objektiv das ganze betrachtet, bezweifle ich dass ein junger Mensch das schon kann. Denn es ist nicht normal, dieses Leben. Ihr könnt euch also sicher denken, ich wäre froh wenn die Mode von damals uns auch etwas von den Werten von damals zurück bringen könnte. Es wieder mehr Zeit gäbe das besondere zu erkennen. Der Realität ins Auge zu blicken und dankbar zu sein. 

Love, Stefanie 

4 Kommentare

  1. Britta
    April 27, 2021 / 14:30

    Hallo Stefanie,

    Ach war das herrlich mit Dir in die Vergangenheit zu reisen . Ich habe so vieles wiedererkannt ❤️.
    Bei uns war es allerdings Esprit, S Oliver und Co.. . Mein Idol Madonna… haha…, das hat meine Mutter wahnsinnig gemacht.
    Ich würde gerne noch einmal zurück… Es war eine fantastische Zeit ☺️.

    Hab einen schönen Tag
    Britta

    • April 28, 2021 / 12:38

      Madonna und Prinz… Ich liebte es und mag es bis heute

  2. Anja
    Mai 17, 2021 / 11:36

    Hallo Stefanie,
    vielen Dank für die wundervolle Zeitreise in eine leichte und unbeschwerte Vergangenheit. Ich habe mich in vielen Dingen wieder erkannt, ach was vermisse ich diese Zeit. Manchmal frag ich mich ob man damals nicht glücklicher war so ohne Social Media und Internet….
    Großartig dein Text, bitte mehr davon
    Liebe Grüße
    Anja

    • Mai 17, 2021 / 13:24

      Liebe Anja,

      Ja, das frage ich mich auch

      Habe einen wunderschönen Tag

      Liebe Grüße stefanie

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