Subway Shirt – Die Burka des Westens

Neuerdings lenken Artikel und Videos zum so genannten „Subway Shirt“ unsere Aufmerksamkeit auf etwas was, sind wir mal ehrlich, wohl kein neues Problem ist. Vielmehr wurde es wohl bei den meisten, aus welchen Gründen auch immer, ausgeblendet, bzw. nicht angesprochen. Es geht um uns Frauen und um unsere Sicherheit. Der Sicherheit vor ungewollten sexuellen Übergriffen, gierigen Blicken etc. in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es wurde wie gesagt schon viel geschrieben und dazu gesagt, dennoch habe ich mir dieses Problem mal näher betrachtet und auch über das, was da vor sich geht nachgedacht. 

Also noch mal zum Anfang. Der neue „Trend“ auf TikTok und Co. beschäftigt sich damit, wie sich Frauen, bevor sie in die Subway steigen, eines Übergrossen T-Shirts oder Hemdes bedienen um ihre eigentliche Kleidung zu verbergen. Nicht etwas weil diese aussieht wie gerade aus dem Bett gestiegen, sondern um auf gar keinen Fall Haut, Ausschnitt oder überhaupt nur den Anflug von sexyness zu präsentieren. Frau will möglichst alles was in irgendeiner Art und Weise die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechtes auf sich zieht verbergen. Nicht etwa weil sie meint es sich nicht leisten zu können den Mini zu tragen oder das schulterfreie Top, sondern weil sie sich schützen muss. Wie oben beschrieben, vor den gierigen Blicken, den Übergriffen, den verbalen und gestikulierten Obszönitäten so mancher Männer. Wie eben auch schon erwähnt ist dieses nicht wirklich etwas neues. Denn sind wir mal ehrlich, wer stiegt in den letzten Jahren schon im Abendoutfit mit High Heels in ein öffentliches Verkehrsmittel ein? 

Wenn ich daran denke wie ich das alles als sehr junge Frau gehandhabt habe mit meinen Freundinnen, so sehe ich auch bei mir eine Entwicklung die mir zu denken gibt. War ich da früher total unbeschwert schaue ich heute bei der Kleiderwahl sehr genau hin. Hohe Schuhe sind ein Tabu, schliesslich muss man notfalls rennen können. Das kurze Kleid? No Way! Wann kommt mein Zug am Bahnhof an? Oh, nach 22 Uhr? Da müssen die Springerstiefel her, der voluminöse Hoodie und auf keinen Fall sollte eine Marke zu sehen sein. Nun ja, so machte ich das bis zu einem Vorfall vor knapp einem Jahr, seit dem achte ich darauf keinen Bahnhof mehr bei Dunkelheit oder nach 20 Uhr nutzen zu müssen. Und ich bin alles andere als ein Hasenfuss. Aber, der Wechsel vom FFM Hauptbahnhof in die U-Bahn, den schenke ich mir zu späten Zeiten und investiere lieber in ein Taxi. Man muss es ja nicht provozieren, selbst wenn man aussieht wie ein Schlumpf. 

Worüber ich aber dabei gestolpert bin, bei dem betrachten meines eigenen Verhaltens, was sich so extrem gewandelt hat, ist der Gedanke daran wie es wohl Frauen und Mädchen geht die einfach generell ängstlicher sind als ich? Und das nicht nur in bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel? 

Generell müssen wir uns doch wohl eingestehen, dass das Sicherheitsgefühl, gerade in Großstädten für Frauen enorm abgenommen hat. Und ih glaube es gibt in jeder Stadt auch viertel da fühlt sich kaum noch irgendein Mensch wohl wenn er alleine unterwegs ist.  Aber von den sogenannten Problemvierteln rede ich jetzt nicht mal hier explizit. Denn, gerade das letzte jähr zeigte mir sehr deutlich, auch in ausgesprochenen „sicheren Lagen“ eskaliert die Gewalt immer mehr. Und nicht nur die wirkliche schlimmen Fälle sondern einfach auch die Übergriffigkeit. 

Zeitreise – Vom Pfiff zum Anpöbeln ist es nicht weit 

Ich nehme mal das Jahr 1950. Ich weiss nicht wie sich Frauen früher fühlten wenn eine Horde Bauarbeiter ihnen nachpfiff, generell kennen ich diese Situation nur aus Filmen weil ich damals einfach noch nicht geboren war, dennoch wird sie positiv und als Kompliment für die Frau in den Filmen dargestellt, die sichtlich freudig dann meistens strahlend den Herren der Schöpfung ein kleines Winken schenkt. Heute undenkbar! Denn war es damit damals getan wird man heute, alleine wenn man nur den Blick in die Richtung wirft sofort belagert. Geradezu verfolgt. Regiert man nicht wird man überhäuft mit obszönen Sprüchen und Beleidigungen. Reagiert man nun mit Gegenwehr macht man alles nur noch schlimmer. Also was tun ausser mit verhuschtem Blick sich schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen? Denn selbst ein aggressiver angstfreier Blick kann hier nämlich schon zur Eskalation führen. Woher kommt es, dass gerade junge Männer an dieser Stelle keinerlei Grenzen mehr kennen? Und das bei er sogenannten fortgeschrittenen Emanzipation, zumindest in unseren Breitengraden? 

Das Subway Shirt – die Burka des Westens 

Mit dieser Aussage möchte ich niemanden in seiner Religion auf die Füsse treten, aber ich benenne dieses Shirt bewusst provokant so, denn, eine Burka bedeckt jegliche Haut und das soll das Subway Shirt auch. Frauen die sich für die Freiheit und die Selbstbestimmung, das wir gerade diese, also unsere Haut und unsere Körper zeigen dürfen, würden sich bei der derzeitigen Entwicklung im Grabe umdrehen. Denn, es gab wohl gerade in Deutschland, kaum eine Zeit in der Frauen mehr als Freiwild betrachtet wurden als heute. Dem ganzen Gerede zum Trotz, sei es nun die sexuelle Befreiung der Frau oder was auch immer, die meisten Frauen fühlen sich in öffentlichen Verkehrsmitteln oder einfach nur im öffentlichen Raum, nicht wirklich sicher. Und das macht sich durchaus bemerkbar wenn man mal genau hinschaut. Da gibt es Radgeber in denen steht man solle auf dem Heimweg telefonieren, seinen Standort per Whats App tracken. Man wird aufgefordert nicht zu Fuss zu gehen sondern ein Taxi zu nehmen. Dazu wurde ich auch schon verdonnert, obwohl ich es liebe Abends nach einem guten Essen zu Fuss nach Hause zu gehen. Es gibt sogar Hotlines bei denen Frauen anrufen können und die dann telefonisch auf dem Heimweg begleiten. Das ist doch krank! Also nicht dass es diese Hilfsmaßnahmen gibt, sondern die Tatsache dass wir diese so vermehrt brauchen. 

Der Rückschritt 

Als ich nach Frankfurt kam gab es auch schon Tabu Viertel, wie oben berichtet gab und gibt es die wohl überall, das Problem was ich habe ist, der Kreis der sogenannten „gefahrenfreien Zone“ als Frau wird immer enger. So bewegt man sich urplötzlich nur noch auf sehr wenigen Strassen wirklich frei. Man ist aber heutzutage generell mit mehr Aufmerksamkeit unterwegs. Nichts mehr da vom gedankenverlorenen über die Zeil laufen. Man ist immer auf Hab acht. Der Radar ist an und das strengt an. Selbst wenn man nicht alleine unterwegs ist schlendert man nicht mehr unbeschwert sondern steht unter erhöhte Aufmerksamkeit. Und das in unserem ach so freien Land. Ihr bemerkt schon meine Ironie in dieser Aussage, denn nein, ich als Frau kann mich schon lange nicht mehr so frei bewegen wie es uns Aufgetischt wird. Zumindest nicht wenn ich mich nicht zum Opfer sexualisierter Gewalt, und sei sie „nur“ in Worten machen möchte. Und das gibt mir zu denken. Denn ganz unbewusst schleicht es sich ein. Ein Automatismus quasi der da in einem abgespult wird. Der Gedanke was mache ich heute Abend, wie komme ich da hin, was ziehe ich an? Ziehe ich mich mit gewählter Kleidung gegebenenfalls ungewollte Aufmerksamkeit auf mich. Das nenne ich nicht mehr frei. 

Das Subway Shirt ist in meinen Augen eine Kapitulation, zwar unter einem Hilferuf, dem Wusch nach Änderung durch leisen Protest, aber trotzdem eine Kopulation. Denn als Frau möchte man nicht in übergriffige Situationen geraten, weiss aber sehr wohl, dass es dazu kommen kann wenn man sich nicht anpasst. Man nimmt es hin. Resigniert, wohlwissend dass sich nichts ändern wird. 

Love, Stefanie 

5 Kommentare

  1. Britta
    August 21, 2023 / 12:56

    Hallo Stefanie,

    So, so traurig. Es ist um so viel schlimmer geworden! Ich habe mein Pfefferspray immer parat wenn ich alleine am Abend unterwegs bin… obwohl ich dann doch oft wie ein Schlönz ( Putzlappen ) aussehe.
    Das schlimme ist, man kann so rein gar nichts dagegen unternehmen… es ist zum kotzen…

    Ich drücke Dich

    Britta

    • August 21, 2023 / 13:03

      Hi Britta,
      Ja, so sieht es aus. Und man wird mit den Problemen auch im Regen stehen gelassen.
      Liebe Grüße
      Stefanie

  2. Nina
    August 21, 2023 / 13:34

    Hallo liebe Stefanie…es ist erschreckend wie sich unsere Gesellschaft zum negativen verändert hat und bestimmte Gruppen von denen man auch weiß dass Frauen keinen besonderen Stellenwert haben dieses Phänomen ausnutzen. Mir ist im Beisein meines Mannes auf einer Messeveranstaltung am Abend, von einem mir Unbekannten in einer Menschenmenge zwischen den Schritt gefasst worden, ohne dass ich die Möglichkeit hatte den Täter herausfinden.
    Bei einer Meldung an die Messeleitung wurde nur darauf hingewiesen dass „so etwas“ ja schon mal passieren kann.
    Ich weise darauf hin dass ich mit langer Hose und nicht aufreizender Bluse bekleidet war … außer meines schlechten Gefühls, welches als Erinnerung an einen Abend übrig blieb, wurde leider nichts unternommen. Liebe Grüße und pass auf dich auf .

  3. Uschi
    August 21, 2023 / 15:18

    Die Zeit hat sich zum negativen gewandelt … wenngleich sie nur schlimmer und gefährlicher geworden ist .

    Sobald es dunkel ist , würde ich alleine nicht mehr raus gehen …

    Wo soll das noch hinführen?

    Meiner Meinung nach ist all das schon Jahrzehnte so, nur war es damals nicht so brutal! Man konnte ohne Angst als Frau Nachts durch den Regen tanzen.

    Heute muss man froh sein, wenn man seine Wohnung verlässt , sie auch unbeschadet wieder betritt!

    Gerne würde ich im Sommer mit einem leicht bekleideten Kleid durch die Straßen ziehen … aber diese Kommentare und meine nicht unbegründete Angst ( mir sind viele schlimme Dinge passiert) lassen mich einfach vorsichtig sein , mit dem was ich anziehe

    Danke für deine tollen Zeilen liebe Stefanie

    Lg Uschi

  4. EvelinWakri
    August 21, 2023 / 17:52

    Liebe Stefanie,
    Ich komme aus einer Hauptstadt in Österreich klein und ich habe mich mit 18 spät Nachts eigentlich nie gefürchtet, wenn ich nach Hause gegangen bin oder mit dem Rad unterwegs war. Bis mich in eines Nachts in einer Unterführung zwei junge Typen vom Fahrrad holten…..
    Ich hatte Glück, dass gerade in dem Augenblick ein Auto vorbeifuhr und der Lenker mitten in der Unterführung stehen blieb und die Typen, bis heute nicht gefunden, vertrieben hat….
    Seitdem fahre ich nur noch mit dem Taxi ab 18 Uhr und bevor ich heute einsteige, gebe ich Taxinummer an meinem Mann durch.
    Die sexuelle Belästigung kenne ich nicht nur in den öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mehr als genug in früheren Zeiten von Kollegen, aber vorwiegend Vorgesetzten. Da trug ich sogar manche Jahre nur Hosen und Rollis auch im Sommer und keine körpernahe Kleidung. Heute wird darüber geredet, damals hat Dir niemand geglaubt. Schade dass es noch ärger als besser geworden ist und wir Frauen uns kaum dagegen währen können.
    Gestern Abend war ich nur ums Eck beim Griechen mit Freundinnen um 22 Uhr haben uns unsere Männer abgeholt, da immer wieder einiges passiert am Abend und man als Frau im Laufschritt nach Hause geht, auch mit Selbstverteidigung und Pfefferspray…
    Danke für diesen Beitrag.
    Liebe Grüße
    Evelin

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