Helgoland

André Wierig

Schon im August stand ein ganz besonderer Trip für mich auf dem Program. Ich durfte André Wiersig und sein Team dabei begleiten wie André die unvorstellbare Strecke von 50 Kilometern vom Festland nach Helgoland durch das freie Meer geschwommen ist. 

Obwohl ich André und seine Leistungen die er bis dahin zeigte, er ist einfach „the Man of Ocean“, kannte, konnte ich mir nicht vorstellen was da tatsächlich auf mich zu kommt. Auch konnte ich es mir nicht vorstellen, dass ein Mensch tatsächlich 18 Stunden bei nur ca. 15 Grand Wassertemperatur, lediglich von Kajaks und einem Begleitboot begleitet diese Tortour übersteht. Natürlich wusste ich das André anhand dessen was er vorher schon zeigte dazu in der Lage ist, aber dennoch überstieg es irgendwie meine Vorstellungskraft. 

Ein Tag voller Aufregung und Emotionen 

Tatsächlich begann mein persönliches Abenteuer etwas später als das des restlichen Teams da ich erst am einundzwanzigsten morgens auf den Katamaran von Hamburg nach Helgoland meine Reise begann. Zu diesem Zeitpunkt war André schon viele Stunden im Wasser und hatte sehr viele Kilometer schon gut gemacht. Er war so flott unterwegs, dass wir ein wenig Panik hatten nicht mehr pünktlich ihn am Strand in Empfang nehmen zu können.

Übergesetzt nach Helgoland ging es gleich weiter. Man muss wissen, dass man an dieser Stelle von Börtebooten zu den Inseln befördert wird. Tatsächlich gehören diese Boote der wirklichen Seebären zum Weltkulturerbe. Ich an meiner Stelle hatte hier nach einer nicht wirklich ruhigen Nacht eher kein Blick für die Besonderheit der Börteboot sondern eher etwas Angst, dass ich nach jahrelanger Abstinenz auf dem freien Meer in Anbetracht dieser Nussschalen nicht mehr ganz so seefest sein könnte, was sich aber sehr schnell in Wohlgefallen auflöste. 

Die Suche beginnt

Nachdem wir übergesetzt waren und das nächste Börteboot bestiegen hatten begann die Suche nach André. Schliesslich wollten wir ihm entgegen fahren um ihn auf den letzten Metern etwas anzufeuern. Das alles gestaltete sich etwas schwieriger denn durch Strömungen hatte er viel Zeit verloren und schwamm eine unendliche Zeit auf der Stelle. Natürlich gibt es Punkte an denen sich Seefahrer orientieren aber er tauchte und tauchte nicht auf dem Radar auf und die Stimmung an Bord war von unterschwelliger Nervosität geprägt.

Auch war der Wellengang trotz fantastischem Wetters nicht gerade ohne. Die ersten hatten also neben der Ungewissheit ob wir André finden auch noch mit Übelkeit zu kämpfen. Ihr könnt euch vorstellen wie sehr die Anspannung stieg. Sie war fast greifbar und die Faszination sich mitten auf der See zu befinden rückte in den Hintergrund. Gefühlte Stunden, nein so lang war es nicht aber so kam es einem vor, wurde der Horizont immer wieder nach André und seinem Team abgesucht. Und dann, plötzlich, einer der Fotografen hatte ganz ohne Fernglas (an dieser Stelle schaut mal auf einer schwankenden Nussschale durch ein Fernglas ich sage dazu mal nur wow) ein kleines weisses blitzen gesehen. Da war er und auch der Radar zeigte an, wir hatten ihn gefunden. Ihr könnt euch vorstellen wie gross die Erleichterung war jetzt im direkten Kurs auf ihn zusteuern zu können. 

Macht euch keine Sorgen, mir gehts Super

Tatsächlich weiss ich nicht mehr genau wie lange André schon geschwommen war, ich schätze 17 Stunden, als wir nah genug dran waren und er freudig winkend uns mit den Worten begrüsste er sei fein und uns so wissen liess, dass wir uns keine Sorgeb machen müssten. Dieser Moment ist einfach nicht in Worte zu fassen.

Es ist für mich unfassbar dass jemand nach solch einer Leistung, bzw. noch während dessen, quasi noch die Puste hat einen Klönschnack zu halten. Wahnsinn und übermenschlich nenne ich das mal. Vielleicht sollte ich hier auch erwähnen dass André zwar vom Boot geleitet und versorgt wird, dieses aber nicht anfassen darf.

Mit Erleichterung im Gepäck Vollgas zurück

Nachdem wir uns alle davon überzeugt hatten das Andrés Vorhaben auf jeden Fall von Erfolg gekrönt sein wird ging es mit Vollgas und viel Erleichterung im Gepäck zurück auf die Insel. Jetzt war es nach der Anspannung und Aufregung der Hinfahrt überraschend ruhig an Bord und ich für meinen Teil genoss es das Meer so nah und auch ursprünglich um mich herum erleben zu dürfen. Es machte mir nichts aus ein paar mal ordentlich spritzende Gischt ins Gesicht zu bekommen und ich war unendlich dankbar in diesem Moment. Ich kann diese Gefühle die mich da überkamen nicht wirklich beschreiben. Mir fehlen nicht oft die Worte aber an dieser Stelle schon. 

Der Empfang 

Natürlich wurde es an dieser Stelle nochmals hektisch für mich. In meiner Aufgabe als PR hatte ich hier das eine oder andere noch zu koordinieren und hatte bis zum Eintreffen von André und dem Team das ihn auf dem Wasser begleitete alle Hände voll zu tun, aber dann war es so weit. Nach über 18 Stunden und mehr als 50km zurück gelegter Strecke stieg André aus dem Wasser als ob er eine runde im heimischen Pool zurück gelegt hatte. Es war einfach wirklich unfassbar.

Nachdem er seinem grossartigen Team ( übrigens genießt auch das Team meinen absoluten Respekt denn auch sie waren unentwegt im Einsatz, was eine Leistung!) erst einmal gedankt hatte stand er sofort für Interviews etc zur Verfügung. Ich konnte das alles erst später wirklich realisieren. Es war so unfassbar. Nicht nur die körperliche Leistung zu der er fähig ist sondern auch der mentalen Stärke, die hinter so einer Aktion steckt, kann ich nur Bewunderung zollen. 

Sicherlich fragen sich jetzt einige meiner Lesen warum das Ganze. Tatsächlich ist André Wiersig Extremschwimmer. Aber nicht nur die Liebe zu seinem Sport treibt ihn an, sondern allen voran die Liebe zum Meer und da hat er auch eine ganz klare Botschaft: wir müssen unsere Meere schützen. Daher ist André auch Botschafter der deutschen Meeresstiftung. Und hier sage ich sehr deutlich: Er hat mal wieder ein Zeichen gesetzt und wirklich Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema gelenkt. Dafür möchte ich ihm ganz persönliche danken: André, du sagtest mir in einem Gespräch du bist einige Kilo schwerer aus der See heraus gekommen als du hinein gegangen bist weil Dein Körper das Meerwasser aufgenommen hat und ja, Du bist das Meer, der Mensch der deutlicher die Verbindung und dessen zu was wir fähig sind nicht zeigen kann. Ich hoffe es wird viele Menschen geben die deine Botschaft verstanden haben und weiter tragen werden.

Herzgeschichte zum Abschluss 

Natürlich wurde der Erfolg auch gefeiert und neben noch einigen offiziellen Verpflichtungen während des Aufenthalts auf Helgoland von allen genossen. Aber es gab da noch etwas was ich einfach wunderschön finde. Eine echte Geschichte fürs Herz.

Zur gleichen Zeit als André Wiersig am Strand von Helgoland aus dem Wasser trat fand Michael Jansen (Ranger auf der Düne) einen völlig entkräfteten Heuler am Strand. Den brachte er in die Robben Auffangstation nach Friedrichskoog. Unter der fürsorglichen Pflege dort Hat sich Robbe „André“ dort nun prächtig entwickelt. Die Insel Helgoland hat nun André Wiersig die Patenschaft für den Heuler André verliehen und nach einem kennenlernen der beiden wird Robbe André nun bald wieder in der Nordsee sein leben geniessen dürfen. Mal sehen ob sich die kleine Robbe André eines Tages mit seinem grossen Patenonkel mal zu einer runde Wettschwimmen in der Nordsee trifft. 

Love, Stefanie 

5 Kommentare

  1. EvelinWakri
    September 28, 2021 / 14:10

    Was für ein atemberaubender, mitreißender Bericht. So fesselnd geschrieben als wäre man mitten drinnen. Unglaublich was der Mann geleistet hat und wie toll die Patenschaft. Mit dieser Aktion wurde ein großes Zeichen gesetzt und ja wir müssen die Meere und ihre Bewohner schützen.
    Danke liebe Stefanie für die tollen Bilder und die spannenden Zeilen, die auch sehr nachdenklich stimmen.
    Ganz liebe Grüße
    Evelin

  2. EvelinWakri
    September 28, 2021 / 14:11

    Was für ein atemberaubender, mitreißender Bericht. So fesselnd geschrieben als wäre man mitten drinnen. Unglaublich was der Mann geleistet hat und wie toll die Patenschaft. Mit dieser Aktion wurde ein großes Zeichen gesetzt und ja wir müssen die Meere und ihre Bewohner schützen.
    Danke liebe Stefanie für die tollen Bilder und die spannenden Zeilen, die auch sehr nachdenklich stimmen.
    Ganz liebe Grüße
    Evelin

  3. Britta Horsters
    September 28, 2021 / 18:17

    Was für ein Abenteuer .
    Gekrönt durch die schöne Geschichte der Kleinen Robbe André ♥️

    Liebe Grüße
    Britta

  4. Oktober 29, 2021 / 08:48

    Liebe Stefanie .. ich habe deinen Bericht verschlungen .. eine unglaubliche Geschichte .. mit einem tollen Statement .. ich bin begeistert..
    herzliche Grüße
    Katja

    • Oktober 29, 2021 / 08:52

      Liebe Katja,

      Ja, es war unglaublich was André da geleistet hat und ich hoffe das viele Menschen sein Anliegen zu ihrem machen.

      Liebe Grüße
      Stefanie

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