Das kranke Geschäft mit Dupes  

Foto von mir, aufgenommen bei einer Vernissage des Hamburger Künstlers und Klimaaktivisten Joschua Gumpert

Unsere Gesellschaft, die in dem Status „schnell, weiter und höher“ verloren zu sein scheint, befeuert gerade das kranke Geschäft mit Dupes. Dupe bedeutet eigentlich „betrügen“, ein schön gefärbter Begriff für das negativ besetzte Wort Fake, und sollte so schon von vornherein jeden abschrecken. Leider ist dem aber nicht so, denn im Gegensatz zu „echten Fakes“ sind Dupes oft nicht verboten da es an einer Etikettierung fehlt und angebliche „modeltypische“ Merkmale des Originals nicht vorhanden sein sollen. Sehr oft ist dieses in den meisten Fällen aber Fehlanzeige. Zwar fehlt das Etikett des kopierten Artikels aber die angeblich fehlenden modeltypischen Merkmale sucht man doch dann vergebens. Schaut man sich die Materialien an wird man ggf. einen Unterscheid ausmachen können oder evtl. auch bei einer genauen Inspektion jedes einzel verwendeten Knopfes und jeder einzelnen Nahtführung. Ab und an gibt es leichte Farbabweichungen, aber das ist auch schon alles was einen Unterschied ausmacht. Für den Laien, würde ich zumindest behaupten, sieht ein Dupe genauso aus wie das Original, eben halt nur ohne Etikett. Genau dieses fehlende Etikett lässt sich aber in so manchem Shop recht einfach, schon bei der Order, durch sein eigenes ersetzten, aber dazu komme ich später. 

Tatsächlich bin ich das erste mal durch Instagram auf den wild florierenden Hype der Dupes aufmerksam geworden. Dort wurde mir ein Bild im Endecken-Bereich mit der Überschrift Zara vs. Shein angezeigt. Ich weiss nach meiner ganzen Recherche nicht mehr genau um was es sich genau handelte, ich glaube es war ein Jackett was bei Zara 69 Euro kosten sollte und bei Shein 18 Euro. Etwas ungläubig darüber, dass jetzt schon Zara dazu verleitet Fakes zu produzieren (schliesslich kopieren sie ja auch alle bekannten Designer rauf und runter aber wenigstens nicht ganz so dreist) klickte ich also auf das Bild und traute meinen Augen nicht. Eine unendliche Auswahl an Artikeln wurde hier nun verglichen und oft waren diese Artikel tatsächlich eins zu eins. Wirklich übel wurde mir aber bei den Preisen die hier von Shein aufgerufen wurden. Nicht etwa weil sie jegliches Budget sprengen sondern weil es billiger wohl kaum geht. Ich möchte mir tatsächlich nicht vorstellen was in einem Menschen vorgeht, der sich ein Jackett für 18 Euro aus China bestellt, nur um trendy gekleidet zu sein. Denn selbst die dümmste Hohlbratze muss sich doch bewusst darüber sein, unter welchen Bedingungen diese Kleidungsstücke hergestellt werden. Mein Ekel über das, was ich da gerade entdeckt hatte, dachte ich wäre nicht mehr zu steigern. Aber weit gefehlt! Ganz nach dem Motto Schlimmer geht immer, stieß ich bei meiner weiteren Recherche – eigentlich wollte ich herausfinden wo die Produktionsstätten der einzelnen Firmen sich ganz genau befinden – auf noch einen Experten für Dupes. AliExpress, auch bekannt für die sogenannten „richtigen Fakes“  bot den ganzen Plunder nun noch günstiger an. Wow. Das muss man jetzt sacken lassen. Denn fragt man sich schon unter welchen Bedingungen ein für den Endkunden 18 Euro Jackett überhaupt hergestellt werden kann, so erscheint mir der Preis bei AliExpress von neun Euro dann doch absolut unmöglich. Aber offensichtlich gibt es nichts was es nicht gibt denn jetzt wird es richtig tricky. 

Zara ist wohl allen bekannt als Fast Fashion Retailer mit vielen Ladengeschäften und einem riesigen Onlineshop. Den Begriff High Street Fashion möchte ich weder für Zara noch für eine andere Fast Fashion Kette verwenden die über einen ähnlichen Aufbau verfügt. 

Shein ist lediglich ein sehr grosser Onlineshop, der wie auch Zara in vielen Regionen der Welt tätig ist aber keine Ladengeschäfte betreibt.

AliExpress ist dagegen nur eine Onlineplattform die es einzelnen Unternehmen ermöglicht von ihrer, nennen wir es vereinfacht Logistik, zu profitieren. So kann man also wie es Shein auch eins tat (heute nicht mehr), seine Waren dort anbieten. Ähnlich wie bei Amazon. Hört sich alles erst mal gar nicht so schlimm an, denn selbst der deutsche Konzern OTTO bietet seine Plattform zu Vertriebszwecken anderen Unternehmen an. Aber jetzt kommt er, mein persönlicher Super-Aufreger: AliExpress bietet Dupes unter eigenem Labeling für Zwischenhändler an. Sprich: Ich kann als Boutique Besitzer direkt bei der Order gewünschte Artikel mit meinen eigenen Namen, bzw. den Namen meines Ladens, labeln lassen. AliExpress nennt dieses vollmundig „Own Label Dresses“.

Und genau über diesen Ausdruck bin ich dann doch tatsächlich bei einen paar Boutiquen gestolpert.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da bieten kleine niedliche Boutiquen, die ich als Kunde gerne unterstütze da es vielleicht die Einzige in meinem Dorf ist oder mir die Besitzerin so sympathisch ist, den billigsten China-Schrott, eine Massenwahre, als etwas ganz tolles und einzigartiges, was es nur bei besagtem Laden gibt, für viel Geld an. Wie gierig kann man sein seine Kunden so zu verarschen? Bei meiner Recherche stieß ich auf nicht nur eine dieser sogenannten „kleinen Boutiquen“ welche sogar mit den identischen Bildern von AliExpress warben. Ich finde das ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Unabhängig von den verlangten Preisen für den Plunder. Wenn der Durchschnitt des Einkaufspreises für eine Ware bei ca. 50 Euro lag, so wurden Verkaufspreise mit ca. 500 Euro angegeben. Tja, so etwas exquisites hat nun mal seinen Preis. Eine Bruttomarge von 900% sowie die offensichtliche Täuschung und Abzocke der Kundschaft kommt für mich einem Betrug gleich. Dafür fehlt mir einfach jegliches Verständnis. 

Unabhängig von dem Schaden der hier beim eigenen Kunden verursacht wird sehe ich dieses Handeln auch als einen grossen Schaden für den stationären Einzelhandel. 

Einige von euch, gerade diejenigen die nicht im Thema sind, werden sich jetzt fragen wie dieser Betrug mit Ansage überhaupt funktionieren kann. Eines der Hauptprobleme ist meines Erachtens nicht etwa die fehlende globale Überwachung der Modeindustrie, auch wenn hier definitiv noch einiges im argen liegt, sondern vielmehr das oben angedeutete Thema „schneller, weiter, höher“. Dieses Problem ist nicht neu und wird gerade durch Apps wie Instagram nochmals befeuert. Die Menschen wollen dazu gehören. Sie wollen Lob und Anerkennung. Nicht erst seit heute floriert das Geschäft mit Fakes. Waren es früher die Handtaschen und Shirts bekannter grosser Labels, so sehen wir heute dass es auch Zara und Co betrifft. Wurde früher auf etwas noch gespart so wird heute, selbst beim Kauf von Kinkerlitzchen, direkt die Ratenzahlung angeboten. Das ganze funktioniert nur weil der Konsument jegliches Maß verloren hat. Der Käufer will nicht mehr warten, er will es sofort. Wurde früher Kleidung weitergegeben oder auch mal repariert so dominiert mittlerweile eine Wegwerfgesellschaft. Nicht nur bei Kleidung. Auch bei z.B. Haushaltsgeräten ist das so. Bestes Beispiel der Mixer meiner Oma. Ich habe den vor vielen Jahren von meiner Mama „geerbt“. Irgendwann dachte ich dann, er funktioniert aber er ist echt nicht schön und so ersetze ich ihn gegen ein modernes Gerät. Genau zwei Jahre hatte ich daran meine Freude denn dann war er hinüber und der alte Mixer meiner Mum, der leistet immer noch hervorragende Arbeit, auch nach all den Jahren. Nun ja, ich verstehe natürlich auch jeden der jetzt aufgebahrt und an seine schlimmsten jungen Jahre erinnert wird, in denen er die Kleidung seiner Geschwister auftragen musste. Das wäre ein anderes Extrem und darum geht es mir auch nicht. Trotzdem stelle ich hier einfach mal die Frage, was ist mit jemanden los der sich einen Fake zulegt? Das fragte ich schon mal in einem anderen Blog und irgendwer war dann auch so ehrlich und schrieb das Original sei ihm zu teuer. Aber ganz ehrlich, wieso brauchst du es dann? Meine Abneigung gegen „mit fremden Federn schmücken“ muss ich aber auch nicht weiter ausführen, sie ist allgemein bekannt. Und es entzieht sich mir auch jeglichem Verständnis wie Damen die jeden Tag eine neue Fake Tasche an sich baumeln haben dafür auch noch bejubelt werden. Generell verstehe ich es nicht wie die breite Masse in Jubelstürme bei absolut maßlosen Konsum Wahn ausbrechen kann. Das betrifft nicht nur den Fast Fashion Bereich. Aber gerade der Massenkonsum von Fast Fashion, der ja in der breiten Masse sich grosser Beliebtheit erfreut, der macht mich wahnsinnig. Denn nicht jeder kann so dumm sein nicht zu kapieren was es für die Umwelt bedeutet jeden Tag Klamotten durch die Welt zu schicken die unter katastrophalen Bedingungen hergestellt wurden. Dummdreist und armselig empfinde ich all diejenigen, die sich einen Fake umhängen weil sie denken sie würden dadurch beliebter werden. Eigentlich können sie einem nur noch leid tun, denn welchen Selbstwert hat ein Mensch der sich mit falschen Federn schmücken muss? Trotzdem fehlt es mir an Mittleid, denn diese Menschen, haben auch keinerlei Empathie. Geiz ist geil, vor vielen Jahren ein beliebter Werbespruch, rechtfertig bis heute das Tun vieler Individuen. Was wäre ich froh wenn sie diesen Geiz mal bei der Vergeudung von Ressourcen anwenden würden. Tja, aber so ist sie unsere schöne neue Welt. Alles nur noch mehr Schein als Sein. Traurig aber wahr. So wird der Dupe nun zum Fashion Hit und die Aussage „Own Label Dresses in the Making“ sorgt für feuchte Höschen, na ist das nicht alles wunderbar? 

Love, Stefanie 

Anmerkung: da es in Deutschland und in einigen anderen Ländern zwar einige Richtlinien bzgl. der Herstellung und des Verkaufs von Fakes gibt, die selbiges verbieten, dieses aber gerade in China u.a. nicht der Fall ist, ist der komplette Stopp leider ausgeschlossen. Bei Dupes sieht die rechtliche Lage wiederrum anders aus. Das Herstellen und veräussern von Dupes ist auch in Deutschland legal solange wie am Anfang meines Artikels weder ein Label des Kopierten Stückes enthalten ist, noch dieses eins zu eins Kopiert wurde. Dieses sollte keinen Freifahrtschein darstellen, so ist es geschädigten Firmen durchaus möglich hier gegen vor zu gehen. Anders sieht es für Käufer aus die einen überteuerten China Fummel gekauft haben. Tatsächlich ist und bleibt der Geschädigte meist auf seinem Schaden sitzen sollte der Verkäufer keiner gütlichen Einigung zustimmen. In Deutschland gilt der Grundsatz, dass schlüssiges Handeln beide Parteien zur Einhaltung des Kaufvertrages verpflichtet. Ein gesetzliches Widerrufsrecht beim Kauf von Waren in einem Geschäft ist hier ausgeschlossen und somit ist der Käufer auf die Kulanz des Verkäufers angewiesen. 

In Anbetracht der Brisanz dieses Themas bitte ich um Verständnis, dass ich von mir gefundene „Boutiquen“ weder hier noch auf persönliche Ansprache hin benennen werde. 

6 Kommentare

  1. EvelinWakri
    April 22, 2022 / 08:28

    Guten Morgen liebe Stefanie!
    Ich bin entsetzt und es fehlen mir die Worte. Ich halte schon nichts von Fakes! Was ich mir nicht leisten kann, brauche ich auch nicht, auch wenn es Gott und die Welt unbedingt haben muss.
    Aber das, macht mich fassungslos. Besonders, da ich von Dupes noch nichts gehört habe und schon gar nicht, dass damit in sogar in kleinen Boutiquen, Betrug bzw Verarsche am Kunden betrieben wird. Das schlägt den Fass, den Boden auf. Werde in Zukunft noch mehr , in die Kleidung sehen und die Etiketten lesen.
    Was für ein Beitrag. Danke Dir dafür, auch wenn jetzt die gute Laune im Kaffee versinkt.
    Liebe Grüße
    Evelin

    • April 22, 2022 / 10:03

      Guten Morgen Evelin,

      leider reicht der Blick ins Etikett hier nicht aus denn wie gesagt kann man ja die Sachen selbst Labeln lassen. Also wirst du bei den Stücken die Du in einer Boutique erwirbst das Label der Boutique finden. Das macht es ja so schwierig diese verarsche zu durchschauen. Und… auch Du folgst Läden die sich dieser Masche bedienen auf Instagram. Und auch einigen Influencern die das noch fleißig bewerben. Ob aus Profitgier oder Unwissenheit ist hier die noch zu klärende Frage.

      Liebe Grüße
      Stefanie

  2. Britta
    April 22, 2022 / 13:29

    Hallo Stefanie,

    wow…… das muss ich erstmal sacken lassen!
    Ich dachte ich wäre schon Informiert… aber das schlägt dem Fass den Boden aus.
    Ich bin entsetzt und sprachlos!
    Danke für diesen Beitrag!

    L. G

    Britta

    • April 22, 2022 / 13:34

      Hallo Britta,

      ja, so ging es mir auch, aber wir sind weiterhin dran an dem Thema ne bleiben es auch. Die Recherche geht also weiter.

      Liebe Grüße
      Stefanie

  3. April 23, 2022 / 14:02

    Hallo liebe Stefanie,
    überrascht las ich deinen Beitrag. Shein und AliExpress waren mir bis dato unbekannt und ich hätte auch nicht gedacht, dass sogar kopierte Klamotten von Zara nochmals kopiert werden und das dann dreist auf Instagram miteinander verglichen wird. Nach dem Lesen deines Beitrages habe ich mir selbst auf Insta ein Bild gemacht. Hätte ich mal besser gelassen, denn jetzt bekomme ich die Seiten laufend vorgeschlagen.
    Zu einem Satz in deinem Beitrag möchte ich aber noch etwas sagen und zwar zu der Frage, warum sich Leute Fakeware kaufen. Diese Diskussion hatte ich mit meiner Freundin, die mir einen Vortrag gehalten hat, warum ich 1450 € bei Louis Vuitton für eine Croisette ausgegeben habe. Sie hingegen hat sich eine LV Speedy auf dem Wochenmarkt in der Türkei gekauft. Auf meine Frage, warum sie nicht auf das Original spart, so wie ich es tat, antwortete sie, dass sie darin keinen Sinn sehen würde, so viel Geld für eine Handtasche auszugeben, die sie nahezu perfekt nachgemacht für 20 € kriegen kann. Die anschließende Diskussion möchte ich hier nicht wiedergeben, das sprengt den Rahmen. Aber solche Themen braucht man mit Käufern von Fake-Ware überhaupt nicht zu diskutieren. Das bringt nichts.

    Lieben Gruß und einen schönen Tag

    • April 23, 2022 / 15:25

      Hallo Liebes,

      Zu deiner Freundin, ein Blender bleibt eben ein Blender und ich finde es passt dann auch dass diese Dame Fake trägt. Billig und stillos sind sowieso viel zu viele. Aber ich gebe zu, Diskussionen kann man sich da sparen. Würde sie mir das sagen mit dem Wert würde ich antworten… ach, das bist Du Dir nicht wert? Meist herrscht dann Ruhe.

      Und zu dem Thema anzeigen wegen Bild machen … das kenne ich auch nur zu gut, gruselig

      Ganz liebe Grüße
      Stefanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.