Werbeindustrie ?!

@chrisborn

Vor drei Jahren schrieb ich diesen Text und stelle fest dass sich nach wie vor nichts geändert hat, aber lest selbst:

Okay, okay, okay….

Ich bin definitiv keine zwanzig mehr, aber gerade platzt mir mal der Kragen und ich muss hier meinen Gedanken einfach mal freien Lauf lassen.

Meiner Ansicht nach, leben wir heutzutage in einer von Oberflächlichkeiten geprägten Gesellschaft wie es sie so noch nie gab.

Darüber möchte ich mich vor erst nicht beschweren, denn ohne dieses Sehen und Gesehen werden wäre ich arbeitslos.

In meiner Welt dreht sich alles um gutes Aussehen, Klamotten und Styling. Oberflächlich betrachtet erschreckend, aber es interessiert niemanden, der ein Foto betrachtet, welchen Charakter der Dargestellte wohl hat. Das einzige Urteil was man fällt ist Gefällt oder Gefällt nicht.

Und um der momentan gängigen Norm zu entsprechen, also den allgemeinen Geschmack zu treffen, der wohlig vorgekaut durch Medien, Werbung, etc. uns impliziert wird, tun wir viel.

Wir tun heutzutage fast alles dafür gut und jung auszusehen.

Wir sind zu Fitnessfanatikern geworden wie nie zuvor.

Wellness und Fitnesscenter boomen und alleine nur die Worte

„Wellness“ und „Fitness“ gehören mit zu den beliebtesten Verkaufsargumenten. Ich warte nur darauf das demnächst auf Nagellack der Slogan „steigert ihre Fitness bei regelmäßiger Anwendung“ steht oder auf dem nächsten Lippgloss „Wellnessgloss, Auftragen und sofortige Entspannung setzt ein“.

Wir essen nicht mehr, wir ernähren uns. Entweder vegan, vegetarisch oder wir verzichten auf Kohlenhydrate, Alkohol, oder was auch immer.

Ein Restaurantbesuch einer Mädelsclique wird bei der Bestellung des Essens erst für den Kellner und danach für den Chef de Cousin zu einer Herausforderung. Normale Bestellungen, ohne Sonderwünsche, sind genauso selten geworden wie ein Entschuldigung in einer überfüllten U-Bahn nachdem man angerempelt wurde.

Ich nehme mich davon nicht aus. Auch ich bestelle selten a la carte.

Was man durch Disziplin und gesundes Leben nicht mehr weg bekommt oder um die Zeichen der Zeit zu beseitigen ist es heute absolut normal sich vom Schönheits Doc aufhübschen zu lassen. 

Was vor 10 Jahren noch ein tabu Thema war und heimlich in Angriff genommen wurde, wird heute öffentlich zelebriert und gehört Quasi zum guten Ton. 

Die Frau von heute geht nicht nur zum Shoppen mit ihren Freundinnen oder veranstaltet ein Kaffee Kränzchen, nein, heute wird zur Botox Party geladen wie früher zur Tubber Party.

Trug man bzw. Frau bis vor ein paar Jahren ab 30 keine kurzen Röcke mehr, oder ab 40 die Haare auf jeden Fall kurz, so hat sich die Gesellschaft meines Erachtens zum besseren gewandelt, ist offener geworden und hat alte Konditionierungen abgelegt. Warum sollte auch eine Frau mit tollen Beinen diese nicht mehr zeigen? Nur weil sie in ihrer Geburtsurkunde das „ichzeigebeinverfallsdatum“ überschritten hat?

Absoluter Schwachsinn …

Und Schwachsinn finde ich auch was so mancher angeblicher Stylist und Stilberater aus so mancher jugendlichen Frau machen die jenseits der dreißig ist.

Hier sind wir bei meinem Aufreger endlich angelangt.

Wie oben ja ausführlich beschrieben verwischen die Altersgrenzen immer mehr. Nicht nur bei Frauen, auch bei Männern wird das Schätzen des Alters immer schwerer.

Als Mutter steht man heute nicht mehr in Kittel Schürze am Herd, diese Zeiten sind Gott sei dank vorbei!

Nur leider ist das bei manchen noch nicht angekommen.

Gerade letztlich hörte ich die mich sprachlos machende Aussage: „wenn Du so jung aussiehst kannst Du keine Werbung für Putzmittel  machen, wir müssen da was ändern!“

Wie bitte?

Die erste Frage die ich mir stelle ist: Putzen junge Frauen nicht? Oder haben alle jung aussehenden Frauen dafür jemanden engagiert, die der Norm der putzenden Frau optisch entspricht?

Oder bedeutet es, der Auftraggeber sieht seine Zielgruppe nicht in der immer größer werdenden Gruppe derer Frauen, die Jugendlichkeit, Frische und Gesundheit ausstrahlend, was oft mit Lebensfreude gleichgesetzt wird, als vielmehr in der schrumpfenden Minderheit derer die wirken wie das Heimchen am Herd? Lieschen Müller vom Lande?

Wohl kaum!

Die Produkte werden immer innovativer und moderner, sollen aber von altbacken wirkenden Personen konsumiert werden?

Schwer vorstellbar!

Leider ist das, was auf der Straße zu sehen ist….das Alter nur eine Zahl auf einem Stück Papier und Lebenserfahrung ist, offensichtlich aber noch nicht wirklich in der Werbeindustrie angekommen.

Eine Frau darf nur mit einem papierlichen Nachweis von nicht mehr als dreißig jung aussehen, sollte der Nachweis über vierzig angesiedelt sein so sollte man sich auf Anraten der sogenannten Experten schnell graue Strähnchen färben lassen und sich ein paar Fältchen und dunkle Augenringe schminken, denn ein „du siehst viel jünger aus“ mutiert hier vom Kompliment zum ko Kriterium.

Verkehrte, verdrehte Welt sage ich nur!

Und einen kleinen Tipp an alle die in dieser Branche weder innovativ noch kreativ sind: öffnet mal die Augen und schaut auf die Straße! Das fördert den kosmopolitischen Blick für die Realität!

Habt ihr diesen gefördert so steht einer authentischen Darstellung eurer Produkte in Hinzuziehung echter Menschen nichts mehr im Wege!

Und aus „nicht kommerziell“ wird ganz schnell „kommerziell“

Love, Stefanie

4 Kommentare

  1. Britta
    Oktober 5, 2019 / 20:29

    Sehr gut geschrieben

    Schönes Wochenende

    • Oktober 6, 2019 / 07:17

      Vielen lieben Dank Britta, Dir auch ein schönes Wochenende

  2. Oktober 12, 2019 / 18:23

    Hallo Liebes,
    dein Beitrag ist Bombe! Ich wüsste gar nicht was man da noch hinzufügen sollte… I Love it!

    Habs fein,
    Anette à la Heppiness

    • Oktober 13, 2019 / 10:01

      Vielen lieben Dank Anette, habe auch ein schönes Wochenende

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