Wenn das Wörtchen wenn nicht wär

@noinvitenoentry

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, dann wär mein Vater Millionär. Wer kennt dieses Sprichwort nicht? Nun, vielleicht sollte ich es aktuell umwandeln in wenn das Wörtchen wenn nicht wär, dann wäre ich Millionär? Zumindest würde mir dieser Status in Bezug auf mein Haben Wollen Gen gerade sehr entgegenkommen, ok, ein LOTTO Gewinn täte es auch. 

Ich bin tatsächlich sehr beruhigt darüber, dass mein Haben Wollen Gen noch existiert. Dachte ich doch schon ich sei ernsthaft krank, weil mich so rein gar nichts vom Hocker riss. Das gab es wirklich fast noch nie, dass sich so rein gar nichts haben wollte. Mich nichts inspirierte und Sehnsüchte weckte. Jetzt, nach wochenlanger Abstinenz, ich hatte mich schon fast daran gewöhnt, floppte es auf einmal wieder auf. Mit einer Vehemenz, die erschreckend ist. Die unglaubliche Präsenz steht offen gesagt im  gleichen Verhältnis zu meiner Unzufriedenheit und dem Wunsch nach Veränderung. Immer mal wieder tauchte dieser Wunsch der Veränderung in meinem Leben auf, und bin ich auch sonst eher geduldig und habe einen langem Atem, so lebte ich in dieser Angelegenheit immer das genaue Gegenteil. War ich zu lange an einem Ort musst der Wechsel her und zwar sofort. Wie ein Vagabund tingelte ich also durch die Weltgeschichte, arbeitete hier und arbeitete dort. Lebte auf unterschiedlichste Art und Weise, mal ganz nah und dann in der Ferne, mit Sehnsucht im Herzen nach einer nicht endend wollenden Reise. Seit dem es mich nach Frankfurt verschlagen hatte schien es als sei ich sesshaft geworden. Fühle ich mich hier wohl, definitiv, kann ich aber nicht leugnen, dass sie wieder entfacht, die Sehnsucht nach der Ferne. Klar ist es im Moment nicht angebracht durch die Welt zu tingeln, also muss ich mir was anderes überlegen und mal ganz genau in mich gehen, was ist es denn, was mir nicht gefällt an meinem Leben? 

Meine kleine Bude, so lieb gewonnen wie ich sie habe, normal auch ausreichend für meine Belange, geht mir nach einem Jahr der Pandemie doch gehörig auf den Sender (ich vermisse mein altes Bauernhaus momentan enorm). Sie ist abgewohnt und bedarf dringend einiger Schönheitskorrekturen. Bauliche Veränderungen sind hier tabu, also wären dann mal neue Möbel nicht schlecht. Gerade nach meinem Unfall mit dem Esstisch hat er für mich etwas ätzendes. Das doofen Ding, es ist schlagartig hässlich und blöd, ein neuer wäre hier nicht schlecht, dazu ein paar Stühle, im beliebten Design, jepp, das muss es sein. Ein zwei tolle Regale und eine neue Couch, ein Sessel, ah ja, und definitiv ein neues Bett, meinen Rücken würde es freuen. Ein paar Spiegel und alles ist perfekt. Die Illusion der Großzügigkeit, ein durchaus akzeptabler Kompromiss. 

Weiß ich nun was ich will und was mich wieder zufriedener macht, meine Wohlfühlskala steigen lässt, mache ich mich also direkt auf die Suche. Es wird wieder überlegt, gemessen und recherchiert, das Glücksgefühl, ja es ist zurück. Geplant und die Wohnung auf dem Papier perfekt umdekoriert, ja genau so will ich das haben! 

Wenn ich schon mal dabei bin geht’s gleich weiter, yes, ich bin total im Flow, von der Bude bis zu Bibliothek ist an alles gedacht, jetzt folgt der große Kasten, der die Heimat meiner Klamotten ist. Mein Fundus durchaus akzeptabel, jedes Teil von mir geliebt, ausreichend, keine Frage, aber bei der Sichtung all meiner schönen Schätze entdecke ich dann doch Optimierungsbedarf. Da gibt es ein paar Teile die doch recht abgetragen sind, wäre nicht schlecht sie aus zu tauschen. Theoretisch kann das warten, aber nein, ich will das jetzt! 

Auf der Suche nach den besagten Teilen wird mir dann doch schmerzlich bewusst, die Sehnsucht ist geweckt nach anderen Dingen. Überflüssig weil ich sie nicht wirklich brauche, im Widerspruch zu meinem sonstigen Hang zu Minimalismus, floppen da plötzlich Träume auf. Ein Mantel von Chanel der fehlt mir noch in meiner Sammlung, eine Jacke von Dior, die hat es mir angetan. Ein paar schlichte neue Slides, ich besitze keine, noch ein Designer Sneaker mehr, ok das ist Luxus pur. Das ein oder andere T-Shirt wäre nicht schlecht, das kurze Jackett von Chanel, ein Traum. Ein neuer Shopper wäre dann auch total cool. Wenn ich an Taschen denke schwebt sogleich mein nicht erfüllter Geburstagswunsch vor meinem inneren Auge, die kleine Kelly Bag, Mensch ich will sie jetzt haben. Ach und der Hoodie und die Lederhose, die sind auch noch ganz cool, dabei fällt mir ein, eine weiße Bluse!!!! Ich habe da keine mehr. Der Ring von Cartier und das Armband, ok, ich weiß, ich übertreibe, aber es ist gerade so schön. Und jetzt fällt mir auch echt nichts mehr ein, naja, einen Reitstiefel von Hermès, komm, das ist ein Klassiker, der muss auch noch in den Einkaufswagen rein. 

Glücklich und völlig erschöpft von meinem Shopping Wahn schmeiße ich den Rechner an. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße, und endet in einem hysterischen Lachanfall. Schnell schließe ich alle offenen Taps an meinem Computer, will den Wahnsinn nicht sehen. Mein Haben Gen protestiert lautstark und setzt zur Revolte an. Überschüttet mich gleichermaßen mit Kummer und Traurigkeit, lässt mich zurück mit dem Gefühl „das schaffst du nie“ trotz eisernem Sparen. Der Teufel auf der Schulter, er flüstert leise und böse „deine Träume sind zu groß“ ich fühle mich hilflos und Schach matt gesetzt. Die Euphorie weicht einem Gefühl der Ohnmacht und lässt nur noch Leere zurück. Die Resignation darüber, dass man nicht alles haben kann, gepaart mit dem Wissen darüber wie lächerlich es ist sich nach Materiellem zu sehnen, dachte man doch man sei dagegen immun , macht die Sache nicht wirklich besser. Ich bin wieder frustriert und unmotiviert und alles was mir je negatives gesagt wurde donnert wieder auf mich ein. Ich fühl mich klein. Unbedeutend und falsch an diesem Platz. Unfähig irgendwas zu tun, gefangen in der Lethargie breche ich innerlich zusammen, bin angewidert von mir selbst und meiner Schwäche. Heulend sitze ich nun hier, in den Scherben meiner Träume. 

Ich wünschte ich wäre ein Millionär …

Love, Stefanie 

5 Kommentare

  1. Katarzyna
    März 13, 2021 / 08:29

    Liebe Steffi,

    es gibt nicht nur diese ganz teuren Dinge, die uns glücklich machen.

    Manchmal kann man sich einfach an der Schönheit von etwas erfreuen ohne es zu besitzen…

    Eine Freundin hat mir beigebracht, dass auch ein paar Tulpen für 1,99 EUR aus dem Aldi glücklich machen können… Es muss nicht immer Luxus sein.

    Mir gefällt auch aktuell eine Bottega Tasche und auch eine von Versace. Ich würde auch gerne einiges in der Wohnung tun. Manchmal gibt es aber Zeiten, in den andere Dinge Priorität haben. Das echte Glück kommt ehrlich gesagt grundsätzlich finde ich aus einer ganz anderen Ecke. Bei mir hat das Fell und eins davon schläft gerade neben meinem anderen echten Glück im Bett. Das andere liegt nur 1,5 Meter auf der Fensterbank und macht zufriedene Geräusche.

    Ich spiele Lotto, nur eine Reihe. Vielleicht solltest Du es auch versuchen…

    LG und ein schönes Wochenende!

    Katharina

    • März 13, 2021 / 08:38

      Moin Katharina,

      Natürlich geht es nicht um etwas was Geld kostet was Glück hervor ruft. Und natürlich basiert Glück das alles auf etwas anderem. Aber ein schönes zu Hause wie man es sich vorstellt ohne Kompromisse zu machen lässt einen auch wenn’s mal eine kritische Zeit ist wohler fühlen. Genau deswegen gehe ich da auch keine Kompromisse ein. Meine Wohnung ist ok, es lässt sich da durchaus nett leben, aber ich mag sie optimieren. Nicht mit einem billigen Kompromiss sondern genau so wie ich es mir vorstelle. Darauf liegt meine Priorität und genau deshalb muss es noch ein wenig warten. Alles was Klamotten etc anbelangt wird da hinten angestellt. Und Stück für Stück komme ich dann keinem Teil näher. Mit dem Lotto spielen überlege ich mal, aber eigentlich ist es rausgeworfenes Geld. Ein Spaß eben der nicht nötig ist.

      Liebe Grüße
      Stefanie

      Ps. Übrigens wollte ich mit dem Beitrag nur ausdrücken dass selbst ich mal Anwandlungen des haben wollen jetzt sofort habe, aber ich gebe dem weder nach noch ist es ein Dauerzustand. Es überfällt mich äußerst selten, vielleicht einmal im Jahr.

  2. Katarzyna
    März 15, 2021 / 08:04

    Liebe Steffi,

    glaube mir, wir sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich. Auch ich mag schöne Dinge und keine Kompromisse.

    Eine Reihe Lotto kostet 6,75 EUR in 5 Wochen. Das ist finde ich vertretbar. Wenn man gewinnen soll, dann reicht auch eine Reihe. Ganz Unrecht hast Du nicht, aber wer nicht spielt, gewinnt auch nicht.

    Ich habe Deinen Beitrag schon verstanden. Bei mir ist es öfters als einmal im Jahr. Und wie schon mal gesagt, ich habe höchsten Respekt vor Deiner Standhaftigkeit und dem gelebten Minimalismus.

    LG und eine gute Woche!

    Katharina

  3. Britta
    März 15, 2021 / 12:02

    Hallo Stefanie,

    meine ich würde gerne haben wollen Dingen spielen in einer ganz anderen Liga . Deine.. sind für mich utopisch . Aber denoch ist die Sehnsucht danach deiner Gleichzusetzen ❤️. Ich weiß was Du meinst!!!
    Meine Oma sagte mal zu mir : Ich weinte weil ich mir keine neue Schuhe kaufen konnte, bis ich jemanden sah der keine Füße mehr hatte!

    Auch bei mir ploppt immer mal wieder dieser Drang nach Neuem auf. Ich hab noch nicht analysiert ob es dafür einen Auslöser gibt .

    Vorgestern habe ich mir rote Pumps mit Blockabsatzt und Fesselriemchen gekauft… Neu Preis 99 Euro reduziert auf 29 Euro. Die Freude war groß, hab ich mir schon so lange gewünscht .. und ich sagte nachdem ich den rechten Schuh probiert hatte… einpacken .

    Großer Fehler! Zu Hause dann beim auspacken.. zeigte sich das sie unterschiedlich in der Farbe waren .
    Gott war ich enttäuscht und traurig . Also zurück damit ….., es sollte nicht sein! Jetzt ist der Wunsch noch größer… . Ich sehe überall diese Schuhe….

    Ich drück Dich

    Britta

    • März 27, 2021 / 11:53

      Hi Britta,

      Bei mir hat sich das schon wieder gelegt, und klar ist es überflüssig, dennoch möchte man ab und an auch mal etwas haben was man nicht wirklich braucht

      LG
      Stefanie

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