Second Hand

Als neues Erlebnis und voll im Trend gilt es Second Hand zu shoppen. Diese Art des Shoppings boomt seit geraumer Zeit und befreit sich, dank immer mehr auch prominenter Unterstützer, nach und nach seines ehemaligen Schmuddelimages. 

Schmuddeliges Image 

Tatsächlich erinnere auch ich mich darn wie ich als Teenager mit meiner Freundin in liebsten Second Hand Laden in einem Hinterhof schlich und wir dort, in einer Halle riesengroß, Stunden lang suchten und forschten. Es war kalt und feucht, auch Sauberkeit und Ordnung suchte man vergeblich. Heute daran zurück gedacht war es ein Haufen Müll, aufgereiht an Kleiderstangen, in Kisten hineingestopft, nur teilweise sortiert. Ein Abenteuerspielplatz der mit nötiger Konsequenz so einige Schätze zum Vorschein brachte. So erstand ich damals dort meine erste Velourslederhose von 501. Zwei Mark musste ich investieren, für ein Teil was mich jahrelang begleitete, sprichwörtlich bis sie mir vom Hintern fiel. Meine Freundin ergatterte damals eine Tasche von Prada, nach stundenlange Suchen und Wühlen entdeckte sie diesen Schatz. Immer wieder zog es in unserer Freizeit dort hin, denn eines war klar. Was andere wegwerfen ergibt für uns nicht immer einen Sinn. Egal wie es muffelte und eklig roch, ob man danach direkt unter die Dusche wollte, es hat sich immer gelohnt. Trotzdem sagten wir nie wo wir waren, wo wir begehrtes Teil entdeckten, es schickte sich nicht in alten Kleidern zu wühlen.

Der Nachgeschmack 

Jahrelang erinnerte ich mich bei dem Namen Second Hand an dieses riesen Lager mit alter Kleidung vollgestopft als ich das erste mal wieder als junge Frau einen Second Hand Laden betrat. Dieses war ein Ladengeschäft. Hier war es nicht kalt und auch nicht muffig, aber mindestens genauso vollgestopft. Die Zeit die ich damals hatte fehlte mir heute und so drehte ich recht schnell wieder um, einfach überfordert von überquellenden Kleiderstangen und dem riesigen bunten Angebot. Mit der Ausbildung, dem damit verbundenen Verdienst, den finanziellen Mitteln und auch dem, was immer noch an Vorurteilen galt, im Gepäck wandte ich mich ab. Bevorzugte schicke Boutiquen wie so viele andere auch. 

Vorsichtige Gehversuche  

Irgendwann stand ich dann in Hamburg, auf der Suche nach einem ganz besonderen Teil, wieder vor einem Second Hand Geschäft. Ein schneller Blick nach rechts und Links, der Glaube es sei unschicklich hier zu kaufen hatte sich festgesetzt neben den dummen Annahmen das nur Menschen die sich nichts anderes leisten könnten hier zum shoppen gehen. Also schlüpfte ich komplett incognito in einem unbeobachteten Moment hinein. Und was soll ich sagen, ein Paradies tat sich auf. Neben geliebten Designer Schuhen, Taschen zum träumen, Schmuck und Kleidung jeglicher Art war hier rein gar nichts schmuddelig oder so wie ich es kannte. Übersichtlich, fein sortiert hingen hier all die Designer die mein Herz zum hüpfen brachten. Freundliches und geschultes Personal half mir auch gleich meinen Wunsch zu erfüllen. Stolz wie Oskar hielt ich nun mein Stück der Begierde in der Hand. Nie im Traum hätte ich gedacht das mir das gelingen würde. Zugegeben mit zwei Mark war ich damals nicht dabei, aber trotzdem weitaus günstiger als befürchtet. 

Phönix aus der Asche 

Leider konnte ich an meinen ersten wirklich toller Erfolg in Bezug auf Second Hand umzugsbedingt nicht sofort wieder anknüpfen. In den Boutiquen die Kleidung ein zweites Zuhause gaben vor Ort gab es einfach keine Auswahl für mich. Meine Größe war nicht vorhanden und das alte Gefühl des sowas hat man nicht nötig und das brauchst du nicht, du kannst es dir leisten neu zu kaufen, sowie es schickt sich nicht, alle Vorurteile waren wieder da. Also beschränkten sich meine Besuche beim Second Hand vermehrt darauf von mir ungeliebte Kleidung dort verkaufen zu lassen. Ein nahezu dekadenter Gedanke war da immer dabei, so gönnerhaft und falsch, geboren in den festverankerten Vorurteilen die bis heute nicht bei jedem ausgeräumt du tust anderen, ärmeren, etwas gutes. Mir wird heute noch schlecht wenn ich daran zurückdenke und frage mich ernsthaft was mich damals geritten hat. Keine Ahnung was mich dazu veranlasste soviel Dummheit an den Tag zu legen. Naja, ich habe die Kurve bekommen, es erkannt und abgestellt, schäme mich dafür aber noch heute. 

Schmuddel Ade 

Im Heute angekommen kommen mir Second Hand Läden wie Phönix aus der Asche vor. Nichts erinnert mehr an einstige Zeiten, vielmehr sind sie heute in jeder Luxus Shopping Meile vertreten und bieten edles Design. Oft sieht man zu präsentierten Stücken nicht mal einen Unterschied zu neuen Teilen, gepflegt und. Neuwertig, obwohl schon mal getragen sind die Stücke traumhaft schön. Mein Unverständnis darüber, dass bis heute Menschen hier nicht kaufen weil alte Vorurteile noch in den Köpfen sitzen könnte nicht größer sein. 

Second Hand weit mehr als eine Alternative 

In Zeiten in denen Nachhaltigkeit eine immer zentralere Rolle in unserem Leben spielt, in denen selbst Luxusgüter dem immer schnelllebigeren und wechselnden Trends unterlegen sind, in einer Zeit in der Kleidung, Taschen, Schuhe, oft nur ein einziges Mal – wenn überhaupt – getragen werden, einer Zeit in der es zum Trend wurde wahllos und spontan zu kaufen, in dieser Zeit sind Second Hand Läden das beste was es gibt.

Sie erfreuen sich heute bei all jenen die ein wenig nachdenken, die nicht wahllos dem Konsum verfallen sind genauso großer Beliebtheit wie bei all jenen die den Wert eines Stückes erkennen, es nicht wegwerfen oder im Schrank versauern lassen, die ihnen eine Bühne geben möchten. Für all diejenigen, zu denen auch ich gehöre, die Design liebt, aber keinen  Goldesel zur Verfügung hat sind Second Hand Geschäfte ein wahrer Segen. Wie sehr war ich schon auf der Suche nach einem bestimmten Teil weil ich zu langsam war oder es mein Budget sprengte und ich wurde dort fündig. Wie glücklich bin ich dann nach Hause gegangen.

Second Hand Trend 

Tatsächlich ist es neben oben aufgezählten offensichtlichen Vorteilen auch ein Trend Second Hand zu shoppen. Immer mehr Möglichkeiten werden hier angeboten. Sei es nun das Ladengeschäft, der Luxus Online Shop oder die vielen Plattformen die private Online Verkäufe möglich machen. Das Spektrum was genutzt werden kann ist weit gefächert und bietet für jeden, wirklich jeden, ein großes Angebot. Der Trend wird momentan auch stark gefördert, aus der dunklen Ecke geholt, es wird offen präsentiert und kommuniziert, von Bloggern, von Stars und Sternchen, quasi von jedermann der mit Trends zu tun hat. Second hand ist IN und das ist auch gut so. 

Love, Stefanie 

6 Kommentare

  1. Britta
    November 26, 2020 / 07:08

    Guten Morgen Stefanie,

    Ich stöbere schon so lange in solchen Läden ,alles hat sich komplett zum Vorteil geändert! Ich muss sagen, hier in Spanien gefällt es mir noch besser .
    Viele Läden sind fest in Englischer Hand,gut sortiert und gepflegt in hellen freundlichen Läden!

    Hab einen schönen Tag

    Britta

    • November 26, 2020 / 07:59

      Hi Britta,

      Ja, ich weiß ja dass du schon lange ein Anhänger vor SH bist, und die Vorteile kennst, weswegen dieser Artikel sicherlich keine Überraschung für dich war. Ich bin da die letzten Jahre tatsächlich auch begeistert wie hübsch die Geschäfte wurden. Siege die Bilder im Artikel. Luftig, und nicht zugestopft mit toller Auswahl.

      Liebe Grüße
      Stefanie

  2. EvelinWakri
    November 26, 2020 / 08:21

    Guten Morgen liebe Stephanie,
    Designer Secondhand da konnte man mich schon finden bevor es www gab. Ich hatte einen Shop den gibt es auch heute noch, jedoch konnte man damals richtig gute Schnäppchen machen, heute muss man richtig stöbern und Glück haben….. manchmal frage ich mich dann schon, spare ich nicht doch lieber auf gleich ein neues Schätzchen. Im Sommer hatte ich dort eine Designertasche entdeckt, die ich schon lange im Visier habe, doch das bei dieser Tasche zu einer Neuen der Preis nur um 300 Euro Unterschied war, hat mich doch sehr erstaunt. Leider gibt es nur noch wenige Secondhand Shops wo bei gebrauchten Designer Teilen ein richtiges Schnäppchen machen kann. Was vielleicht wohl auch an der Innenstadtlage liegen kann. Muss mich, wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen, mal in den umliegenden Bezirken umsehen. Auch das wird langsam in einer Großstadt zum Problem, dass kleine Läden in den Außenbezirken fast nicht mehr überleben können und Fake und Ramsch überhand nehmen.
    Dann doch lieber sparen und im Designer Secondhand auf die Pirsch gehen. Ans Internet habe ich mich noch nicht getraut.
    Würde gerne mit Dir durch die Secondhandläden stöbern.
    Herzliche Grüße und Küsschen
    Evelin

    • November 26, 2020 / 08:45

      Guten morgen liebe Evelin,
      ja, mein erster SH Laden mit Designer Teilen war tatsächlich auch noch vor den Zeiten des www und was die Preise anbelangt muss man schon einmal Glück haben. Tatsächlich habe ich noch nie eine Tasche gerade wegen den minimalen Unterschieden so ergattert. Aber Kleidung und Schuhe. Gerade bei den von mir bevorzugten Objekten der Begierde lohnt sich das schon. Auch wenn es selbst SH nich ein Vermögen kostet. Die Randbezirke in den Großstädten leiden glaube ich momentan genauso wie die Innenstädte unter dem Phänomen des Überangebots der großen Billig Ketten, zumindest ist es hier so … geht man auf die Zeil könnte man in jeder Metropole sein, alles der gleiche Brei. Die Goethestrasse dann die Luxusmeile, die es auch in Muc, HH, Paris etc gibt. Das „kleine familiengeführte Unternehmen“ ist da bei horrenden Mieten schnell verdrängt.

      Eine Runde bummeln, in Wien oder in FFM, das holen wir irgendwann nach … sobald es wieder geht

      Ganz liebe Grüße
      Stefanie

  3. Elke
    November 27, 2020 / 10:47

    Hallo,
    Ich mag das, einfach schauen und wenn es etwas gibt ich mag das sehr, oft wurde es für eigenartig gehalten, was du kaufst gebraucht …
    aber ich mag das sehr,

    Lieben Gruß

    Elke

    • November 27, 2020 / 11:02

      Hallo Elke,

      Ich mag es auch, man findet so wunderschöne Sachen ohne dabei auszusehen als würde man einem aktuellen Werbespot entsprungen sein. Etwas weg vom Einheitsbrei. Die komischen Fragen werden auch seltener, was ich sehr begrüße.

      Liebe Grüße
      Stefanie

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