Nachhaltigkeit

Alle predigen sie über Nachhaltigkeit. Fast inflationär wird dieses Wort in den Artikeln der einschlägigen Modemagazinen, genauso wie von Bloggern eingesetzt. Ob als Headline oder im Artikel selbst, der erhoffte Garant für Aufmerksamkeit scheint das Wort Nachhaltigkeit zu sein. 

Taten sprechen lauter als Worte  

Immer wieder predigen gebetsmühlenartig die üblichen, oben genannten, Verdächtigen davon, es müsse ein Umdenken geben in der Modeindustrie. Ob Blogger oder Modemagazin, kaum einer kann sich diesem Thema entziehen. Nachhaltigkeit wird zwar angepriesen, in schöne Worte verfasst, von einigen Privatpersonen sogar ab und an gelebt, aber wirkliche Taten bleiben aus. 

Bigotterie der Magazine und Blogger 

Gerade bei dem allgemeinen Bloggern und eben den meistgelesenen Modemagazinen können wir problemlos feststellen, dass ihnen das Thema Nachhaltigkeit nicht wirklich am Herzen liegt. Neben dem Artikel der sich tatsächlich mal umfassend mit dem Thema befasst, wird sogleich ein super Trend der Fast Fashion Industrie angepriesen. Natürlich mit dem direkten Link zum bequemen Shoppen versehen. Wir möchten es den Leuten ja nicht zu umständlich machen ihnen ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. 

Fade Rechtfertigungen 

Natürlich wird hier, spricht man jemanden darauf an, sofort in Verteidigung gegangen. Lahme Ausreden wie „wir müssen ja auch Einnahmen generieren“ etc. steht an vorderster Front. Komisch aber, dass hier fast ausschließlich Wegwerfmode angepriesen wird. Selbst Zeitschrift die in der Vergangenheit für ihre ausgewählten und teuren Kaufempfehlungen bekannt waren greifen nun zum billig Kram. Wohl eine natürliche Entwicklung schauen wir auf die Schnelllebigkeit von Instagram und Co. Als etabliertes Modemagazin wird es hier schwer Schritt zu halten. Die zusätzliche Anforderung an Redaktion und Co. hier den Speed nicht zu unterbieten, täglich neues zu zeigen und zu berichten, ist eines der Probleme die ich da sehe. Was früher einmal im Monat erschien verlangt heute drei Beiträge pro Tag. Kein Wunder dass die Beiträge an Qualität verlieren und es ein ewiges in und out gibt, da kommt einfach keiner mehr nach.  

Entschleunigung  

Mein Vorschlag an dieser Stelle: Entschleunigung. Zurück von sinnbefreitem Blabla zu Artikeln mit Wert. Weg von dem anpreisen billigster Waren hin zur Wertigkeit. Weniger ist mehr sollte hier die Devise sein. Ein Wunschdenken, das ist mir klar. Aber alleine vielleicht einfach mal Worten Taten folgen lassen wäre an dieser Stelle schon ein enormer Fortschritt. 

Gelebte Nachhaltigkeit 

Die grösste Nachhaltigkeit ist sicherlich der komplette Verzicht auf  Konsum, der jegliche Befriedigung der Grundbedürfnisse überschreitet. Da ich aber weder Extremistin bin noch denke, dass dieses tatsächlich glücklich machen würde, wähle ich einen anderen Weg. Neben großen Dingen wie der Verzicht überflüssiges im Bereich Kleidung inklusive Schnickschnack neu an zu schaffen beinhaltet dieser für mich ebenso den Verzicht auf ein Auto. Kleidung trage ich, wie ihr bereits wisst, immer echt lange und wenn etwas Neues hinzu kommt geht meist etwas Altes. Auch Neues wird nicht bei den „High Street Fashion Labels“ -diesen Begriff musste ich einfach raushauen denn jedes Mal wenn ich ihn lese wird mir schlecht – geordert. Ich kaufe entweder Second Hand oder Teile die sicherlich nicht im Kurzschluss mitgenommen werden. (Darüber berichtete ich bereits hier ) Auch bestelle ich nicht ununterbrochen Online um es dann zurück zu senden. Eine katastrophale Entwicklung, dass an dieser Stelle viele (vom Shop über das Magazin bis hin zum Blogger) sogar dazu raten gewisse Teile doch in unterschiedlichen Größen und Farben zu bestellen um in Ruhe zu Hause an zu probieren. Mir rollt es die Fußnägel hoch.  Genauso abartig empfinde ich es wie viele Instagrammer damit hausieren gehen was da gerade wieder von H&M und Co. angekommen ist und direkt die Rückreise antritt. Einfach gruselig.

Aber mal weg von Klamotten und Co., hin zur gelebten Nachhaltigkeit in anderen Bereichen. Ich persönlich verzichte auf überflüssigen Schnickschnack auch in meiner Wohnung, Dekoration gibt es , das schon, aber keine Deko zu Weihnachten Ostern und Co. Ich empfinde das als absolut überflüssig hier jedes Jahr Unmengen an neuer Deko an zu schaffen um sie dann wieder in Kisten verschwinden zu lassen. Hier würde ich wohl eher dazu tendieren (so machte ich es als mein Sohn noch klein war) jedes Jahr die vorhandenen Sachen wieder zu verwenden. Auch beim Einkaufen generell achte ich darauf möglichst wenig Müll zu produzieren. Nach Jahren in der Schweiz mit Baperln fürs Gewicht des Mülls, die man kaufen musste, ging mir das in Fleisch und Blut über. Deswegen freute ich mich sehr, dass auch in dem Haus in dem ich jetzt lebe der Müll nach tatsächlichem Volumen pro Haushalt berechnet wird. Bzw. danach wie oft man mit seinen Chip die Tonne des Restmülls öffnet. Tatsächlich wird man durch solch Kleinigkeiten wesentlich achtsamer was Mülltrennung etc. anbelangt. 

Generell achte ich auch darauf keine Lebensmittel zu verschwenden und möglichst viel frisch zuzubereiten. Das einzige bei dem es noch Verbesserung gebe wäre meine Kaffeemaschine, wobei selbst hier die Kapseln von mir zurückgebracht werden um recycelt zu werden. In Deutschland dürfen diese recycelten Kapseln übrigens nicht wieder in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. In der Schweiz schon. Und wo wir bei Kaffee Kapseln sind, so werden sie bei mir auch noch in der Beauty Pflege eingesetzt. Ich nutze den Satz gerne als Maske und auch als Peeling. Tatsächlich ist genau eine Kapsel die perfekte Menge für streichelzarte Haut. Und wenn wir gerade bei Beauty angekommen sind, so verwende ich hier auch nicht unendlich viele Produkte und kaufe ständig nach. Seit Jahren wird hier nichts Neues gekauft bevor das Alte aufgebraucht ist. Folglich stapeln sich bei mir keine Unmengen an Tübchen und Cremes. Bei der dekorativen Kosmetik setze ich auf Klassiker ohne viel Tamtam und zehre noch von meinen Vorräten aus vergangenen Zeiten vor der Kamera. Selbst bei Nagellack bin ich da echt berechnend, seit Jahren verwende ich die gleichen Farben. Übersichtlich klassisch gehalten. Und um das Bad jetzt wieder zu verlassen, als Parfüm habe ich genau eins. Seit Jahren. Keine Sammlung von Flakons.

Hört auf zu schwadronieren 

So, das war nur ein kleiner Überblick dessen, wie ich neben dem Verzicht auf Plastiktüten und Fast Fashion, mein Leben versuche etwas nachhaltiger zu gestalten. Alles in allem sind es nur Kleinigkeiten die ausbaufähig sind. Aber das war null Grund dieses Beitrags heute sondern lediglich dafür da etwas Verständnis für meine Abneigung gegenüber der Schere zwischen Worten und Taten. Ehrlich gesagt kann ich einen Artikel der um Nachhaltigkeit geht der neben einem über Fast Fashion platziert ist, oder noch schlimmer direkt Kaufangebote offeriert, nicht ernst nehmen. Diese Artikel haben nicht den Wunsch nach einer Veränderung sondern werden verfasst um Aufmerksamkeit zu erlangen. Ein prinzipielles Umdenken, nicht nur in der Mode, funktioniert nur indem der Verzicht konsequent an Popularität gewinnt. Reduziertheit und der Trend von Trend unabhängigem spielt hier die gleiche Rolle wie die Möglichkeit neue Vorbilder zu schaffen. Früher waren diese Vorbilder die Trends schufen Modezeitschriften und Prominente, heute zählen zu ihnen auch Blogger die Millionen Menschen auf ihren Social Media Kanälen erreichen. Solang bei ihnen kein Umdenken statt findet, sie hier nicht ihren Worten Taten folgen lassen, solange wir sich nichts ändern. Mein Wunsch also an alle jene die an den Stellen sitzen, fangt an Verantwortung zu übernehmen und seit endlich ein Vorbild oder haltet halt einfach mal die Klappe bei Dingen die ihr nicht lebt. 

Love, Stefanie  

8 Kommentare

  1. frolleindingens
    April 1, 2021 / 14:18

    Ich mach das auch gerade!!! Über alles nachdenken:brauch ich es wirklich? Ich hab mir dieses Jahr bis auf ein paar Ohrringe nix neues gekauft! Im Oktober 2020 ein Hoody…neu und das war’s!
    Ich mag was ich habe!!! Ich verschenke Dinge die ich nicht benutze… Ansonsten achte ich auf Verpackungsmüll und kaufe Second Hand was ich schön finde! Von dem was Blogger auf Insta zeigen gefällt mir nix wirklich!
    Bin ich zu alt geworden???
    Ich versuche einfach nur mein Leben zu leben ,so wie ich mich wohl fühle! Ich muss nicht mehr jeden neuen Quatsch haben!
    Mir ist auch egal ob andere damit klar kommen!

    • April 1, 2021 / 18:01

      Hi Elke,

      Ja, du lebst es und redest nicht drüber…das ist der gravierende Unterschied. Zu viele reden drüber und leben es nicht.

      Liebe Grüße
      Stefanie

  2. Britta
    April 2, 2021 / 00:11

    Hallo Stefanie,

    da fasst Du für viele ein sehr unbequemes Thema an. Ich merke das so oft in den Kommentaren die ich bei Insta erhalte.
    Da kommt dann so was wie :Shoppen ist mein Hobby, oder aber :Ich brauche die Abwechslung. Am besten fand ich noch : Ich shoppe jedes Jahr die neuesten Trends, und die aus dem Vorjahr gebe ich ab!
    Ich bemühe mich weniger zu kaufen, Secondhand kaufe ich sowieso ( eigentlich fast ausschließlich), und mit meiner Lippenstiftsucht.. ist es auch vorbei,ich habe einen kalten Entzug gemacht .

    Gute Nacht

    • April 2, 2021 / 10:52

      Moin Britta,

      Ich denke die privat Person ist nicht das eigentliche Problem, selten spuckt die ja große Worte bzügl. Nachhaltigkeit … für mich sind die sogenannten Profis… also all jene die Trends schaffen das große Problem.

      Wenn es nicht In ist jede Saison den neusten Schrei sich anzuschaffen werden viele von ihrem Hobby abweichen.

      Toll wäre es wenn es In und ein mega Trend wäre möglichst viele coole Outfits mit möglichst wenig Teilen zu kombinieren was unter Minimalisten ein Trend darstellt.

      Zum Second Hand Kauf tendieren ja mittlerweile auch mehr Menschen da dieser von oben benannten Trendsettern eine Daseinsberechtigung bekommen hat.

      Aber ich denke wir sind bei diesen Themen sowieso auf einer Wellen Länge

      Liebe Grüße
      Stefanie

  3. EvelinWakri
    April 2, 2021 / 19:03

    Im Haushalt klappt es perfekt mit Nachhaltigkeit, doch in Bezug auf Kleidung und Schuhe muss ich bzw arbeite ich kräftig an mir…. meine Rückfälle sind nicht zu begründen, denn meistens trage ich sowieso das Alte.
    Solche Beiträge brauche ich öfter für mein Gewissen und Verhalten. Darum bin ich lieber still bei diesen Thema…
    Frohe Ostern liebe Stefanie und
    ganz liebe Umärmelung
    Evelin

    • April 2, 2021 / 20:01

      Liebe Evelin,

      Mir geht es in erster Linie um die Menschen die über Mode schreiben, ob auf einem Blog und viel wichtiger noch die Redakteure der Modezeitungen, die hier mal nachdenklich werden sollten … aber leider lesen sie den Artikel sicherlich nicht und wenn fühlen sie sich nicht angesprochen. Angesprochen fühlen Menschen wie du sich … die sicherlich nicht maßlos sind und vor allem ja auch keine Werbung betreiben … trotzdem finde ich es schön wenn ich jeden einzelnen, auch privaten Menschen erreichen kann

      Liebe Grüße
      Stefanie

  4. April 3, 2021 / 13:15

    Dass das Wort gerade Konjunktur zu haben scheint, ist mir auch schon aufgefallen. Ich bin mal gespannt, wieviel davon übrig bleibt.
    Den meisten ist scheint es eher lästig zu sein, ihr Verhalten zu hinterfragen. So sind die Leute leider. Sei es Kleidung oder Tierschutz. Wer kauft Welpen auf einem Parkplatz? LG Sabina

    • April 3, 2021 / 13:18

      Hi Sabina,

      Genau so sieht es aus. Aber solange die Meinungsmacher nichts ändern, den Lesern quasi die Bigotterie vorleben, solange wird sich da auch nichts ändern.

      Schöne Ostern
      Stefanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.