Métiers d´Art Kollektion Chanel 2020/21

Die üblicherweise im Dezember präsentierte Métiers d´Art Show von Chanel wurde gestern, den 3. Dezember, präsentiert. Soweit weit so gut, wird doch der routinierte Ablauf, zumindest was die Zeit betrifft, eingehalten, was aber auch schon alles war was auf eine gewisse Normalität schließen ließ. 

Château de Dames

Als Kulisse wählte Chanel dieses Jahr das Château de Chenonceau in Frankreich, bekannt als Château des Dames, das Schloss der Frauen, sehr passenden bedenkt man, dass Frauen dieses Château entworfen und lange Zeit in ihm lebten. Die Geschichten der einst dort lebenden Frauen weisen überraschende Parallelen zu Coco Chanel auf. So auch das überall zu findende Monogram der Catherine de’ Medici bestehend aus zwei verschlungenen Cs, welches dem Emblem der auf dem Parfum Chanel No 5 von 1921 ähnelt. 

Aber nicht nur als Kulisse diente das Château, sondern auch als Inspiration der Kollektion, welche eine Symbiose der Renaissancen und Moderne in meinen Augen darstellt. 

Lediglich ein einziger Gast 

Chanel beauftragte schon im Vorfeld den deutschen Fotografen Jürgen Zeller, zur Produktion eines Video Teasers sowie Fotos die das Château, wie auch die Models in Szene setzen um ein breites Publikum begeistern zu können. Denn in Zeiten wie diesen müssen auch Luxus Modehäuser umdenken. Pandemie bedingt übertrug Chanel die Show online und verzichtete aus Sicherheitsgründen auf die Ursprünglich angedachten 200 geladenen Gäste, lediglich Kirsten Steward, bekannt aus Twilight, war als einziger Gast anwesend. 

Bedrückend, berührend, emotional 

Der Beginn der Show zeigt uns das Château de Dames, im Dämmerlicht entwirft Zeller eine träumerische Stimmung, die im Szenenwechsel auf Kirsten Steward im Innere des Schlosses die wartend an eine Wand gelehnt steht, schnell ein fast schon bedrückendes Gefühl auslöst.

Der Wechsel zurück in den prunkvollen leeren Raum gefolgt von der wartenden Steward, die sich nun setzt, eindeutig wartend, steigert diese Unbehaglichkeit. Die Vision, alles ist anders als es jemals war, unvorstellbar in der Einsamkeit ist zum Greifen nah.

Dann das erste Model, geradezu erleichtert atmen man auf, in einem Look der stark an die 80er Jahre erinnert. Von der Friseur über das Make Up bis hin zu glänzenden Leggings zu zartem rosa kombiniert.

Es folgt nun, ein Model nach dem anderen, eine Wohltat, verdrängt wird das Gefühl der Einsamkeit und des Wartens, eine Schnitt auf Kisten, wie sie staunend schaut, die Beklemmung ist zurück. Sitzt sie dort doch ganz alleine. Im Abstand ziehen die Models vorbei, gekleidet in einer Kollektion die fast überladen ist ohne dabei laut zu sein. Die gezeigte Mode setzt auf kühle Weiblichkeit und spielt mit gegensätzlichen Epochen aus dem Heute und der Renaissance.

Die Prêt-a Porter Kollektion lässt uns träumen, von großen Festen und glitzernden Auftritten bis hin zum romantischen Date, sie lässt uns verzückt die Sehnsucht spüren, nach allem was uns fehlt.

Nach Glamour und der Vergangenheit. Nach dem überladenem Leben. Geschmückt mit Ketten, Federn, Kristallen und aufwendigen Stickereien. Selbst die unterkühlten Kreation erinnern an eine Märchenwelt, nur unterbrochen durch die Fröhlichkeit des 80tis Styles.

Zu sehen ist aufwändigste Handwerkskunst, die nach gesehen werden schreit. Wo bist du leben? Wir sind bereit! Beim betrachten bin ich hin und her gerissen zwischen der Begeisterung angesichts solch einer Pracht und Traurigkeit, hervorgerufen durch die Unterlegung der Show mit der passenden Musik.

Ich habe fast Tränen in den Augen bei all der Schönheit die ich seh, gepaart mit der Sehnsucht nach dem was war. Das Ende der Show, hier die Musik das erste mal mit Gesang, es erinnert daran, wie wir uns auf den Boulevards normal bewegen, dicht gedrängt, oft aneinander vorbei eilend, ohne Maske dennoch gut zu erkennen.

Der Schwenk der Kamera auf Kirsten Steward, wie sie aufsteht, begeistert klatscht, zusieht wie sie dem Schauspiel innewohnen durfte, als einziger Gast.

Eine Designerin, die sich verbeugt ganz alleine, all das zeigt, nichts ist mehr wie es einst war und lässt uns berührt, mit Sehnsucht im Herzen und doch dankbar zurück.

Ein letzter Blick von außen auf das Geschehen im inneren des Château, als Voyeur einer großartigen Show. 

Love, Stefanie 

8 Kommentare

  1. EvelinWakri
    Dezember 4, 2020 / 16:40

    Man konnte diese außergewöhnliche Inszenierung bei jedem Wort und jeder Zeile, deiner Beschreibung spüren. Beklemmung am Anfang, über die Leere dieses so wundervollen Schlosses, Aufregung und Anspannung, sowie gespannt Deine fesselnde Erzählung über die Neue Pret à Porter Kollektion und berührend das Ende mit einem Schuss Voyeurismus, als Blick durch die erleuchteten Fenster, zur Show ohne Publikum!
    Danke liebe Stefanie fürs Gänsehautgefühl…
    Liebe Grüße Evelin

    • Dezember 4, 2020 / 16:48

      Vielen lieben Dank Evelin,

      solange ich Menschen berühren kann, mit nehmen kann in eine andere Welt, solange mache ich weiter …

      Fühle dich umarmt
      Stefanie

  2. Britta
    Dezember 4, 2020 / 17:14

    Hallo Stefanie,
    Super geschrieben . Man hat den Eindruck als wäre man dabei gewesen❤️❤️❤️, Danke!

    Schönes Wochenende

    Britta

    • Dezember 4, 2020 / 17:15

      Danke liebe Britta, und habe du auch ein schönes Wochenende, liebe Grüße

  3. Elke
    Dezember 5, 2020 / 13:09

    Hallo,
    Das hast du soooooo toll geschrieben. Man konnte sich alles so genau vorstellen ( zwischen den Bildern ) Gänsehaut.

    Liebe Grüße
    Elke

  4. Bettina
    Dezember 6, 2020 / 15:54

    Liebe Stefanie,

    ich hatte gerad voll Gänsehaut beim lesen…
    Wahnsinn! So toll wieder geschrieben!
    Du holst und immer so ab! Schreib doch mal ein Buch
    Danke für deine so tolle Erzählung, Story, Geschichte

    Liebe Grüße
    Betty

    • Dezember 7, 2020 / 08:59

      Liebe Betty,

      Vielen vielen lieben Dank für deine zauberhaften Worte. Solange ich berühren kann werde ich sicherlich weiter schreiben, für ein Buch reichts wohl aber dann doch noch nicht so ganz, da braucht’s mehr als blühende Fantasie und Durchhaltevermögen … aber vielleicht bin ich eines Tages dazu bereit

      Liebe Grüße und einen schönen Start in die neue Woche
      Stefanie

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