Kauft lokal!

Gebetsmühlen gleich treffen wir immer wieder auf die Aufforderung kauft lokal! Unterstützt den lokalen Einzelhandel, kleine Unternehmen, rettet die Innenstädte davor auszusterben. Nur was tun, wenn der lokale Einzelhandel nicht gewünschte Produkte anbietet? 

Der lokale Einzelhandel 

Sicherlich ist es schön abwechslungsreiche Innenstädte zu haben, welche nicht von ausschließlich großen Ketten geprägt werden. Eine hübsche Vorstellung die vielleicht einmal war, sicherlich aber nur noch bedingt der Realität entsprechen. Die Haupteinkaufsstraßen werden schon heute von großen Ketten, die sich dicht an dicht drängen, dominiert. Die „Individualität“ der Shopping-Meilen ist beliebig austauschbar geworden. Sicherlich gibt es hier und da noch den kleinen einzelnen Laden, welcher sich profilieren konnte. Selten sind diese Geschäfte aber in den Innenstädten zu finden. 

Angebot und Nachfrage 

Bei horrenden Mieten in den 1A Lagen der Innenstädte ist es nicht verwunderlich das der kleine Einzelhandel aus mehreren Gründen auf der Strecke bleibt. Dabei spielt das Konsumverhalten jeden einzelnen eine Rolle. Dazu kommt die in Deutschland vorherrschende Meinung „Geiz ist geil“. Kein kleiner Einzelner kann den Preiskampf der Großen bestehen. Zu beobachten ist aber unter anderem auch, dass selbst die kleinen, etwas abseits gelegenen Boutiquen, im Endeffekt auch Massenware anbieten. So finden wir selten unbekannte Labels oder individuelles Design. Auf der einen Seite verständlich, schließlich verkauft es sich über eine bekannte Marke meist leichter, auf der anderen Seite ein weiterer Nagel im Sarg des Einzelhandels. Hinzu kommt das die Kleinen, um den Kampf überhaupt zu bestehen, auch Massen bedienen wollen. Nehmen wir das Beispiel einer Boutique: schon bei der Order der Waren  wird hier genau geschaut wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist ein hübsches Stück zu verkaufen und man setzt meist auf Durchschnitt. Das bedeutet um genau zu sein besonders kleine oder große Größen werden oft gemieden. Genauso sieht es bei besonders teueren oder individuellen Stücken aus. Das Risiko ist dem Unternehmer zu hoch sich einen Ladenhüter ein zu fangen. Natürlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen. 

Probleme über Probleme 

Ich persönlich würde sehr gerne den lokalen Einzelhandel unterstützen. Ich rede hier nicht von Zara und Co die wir überall finden, sondern von der eventuell sogar Inhaber geführten Boutique. Ich bleibe mal bei dem Thema Klamotten, denn hier wird es mir extrem schwer gemacht lokal zu kaufen und ich gebe zu, nach vielen negativen Erfahrungen, habe ich es auch mittlerweile fast aufgegeben und lasse mir kein schlechtes Gewissen mehr einreden, dass ich den lokalen Einzelhandel kaum unterstütze. Warum das erfahrt ihr jetzt.

Frankfurt ein Shopping Highlight 

Sicherlich ist es ein Vorteil in einer Großstadt zu leben wenn es um Shopping geht. Die Auswahl ist einfach größer als auf dem Land tummeln sich doch massig Läden von günstig bis teuer in annehmbarer Erreichbarkeit. Möchte ich nun im Luxussegment shoppen steht mir die Goethestrasse mit all seinen Designern zur Verfügung. Tatsächlich kann man sich hier in der gehobenen Fashionwelt austoben, zumindest meistens, naja, wenn man eben dem Standart entspricht und bereit ist ein Vermögen zu investieren. Harte Worte, ich weiß, aber ich spreche aus Erfahrungen, denn selbst auf der Goethestrasse wird die breite Masse bedient. Kleine und große Größen sowie ausgefallene Designer findet man hier nur mit großem Glück. Natürlich kann ich bei Prada meine Schuhe kaufen, auch bei Chanel und MiuMiu, Taschen sind auch zu haben, aber bei der Kleidung fängt es an zu haken.

Nicht Konform

Es gab zahlreiche Gelegenheiten bei der eine von mir freudig angetretene Shoppingtour mit leeren Händen und frustrierten Gefühlen endete. Das liegt wahrlich nicht daran, dass ich mir keine Zeit genommen hätte gewünschtes Objekt der Begierde zu ergattern, sondern ist vielmehr der Tatsache zuzuschreiben was einem bei seiner Suche so alles an den Kopf gedonnert wird und mit welch anderen Hindernissen man sich auseinandersetzen muss. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass meine feste Vorstellung was ich kaufen möchte gar nicht gut ankommt. Dazu gab es Aufforderungen flexibler zu werden. Wie bitte? Wieso soll ich mich mit einem Ersatz, der mich nicht glücklich macht abfinden? Ach ich vergaß! Meine Wünsche sind zu exquisit. Muss ich mich wirklich ändern nur weil ich eben nicht xy sondern lieber z kaufe? Ist mein Wunsch falsch und bin ich irgendwie verdreht wenn mir der Designer xy einfach mehr zusagt als z? Im Auge des Verkäufers sicherlich. Weiter geht’s mit meiner Suche nach einem Hosenanzug von YSL. Tatsächlich wurde ich auf der Göthestrasse fündig. Leider war meine Größe aber nicht vorhanden, worauf ich mir sagen lassen musste: ihre Problemgrösse führen wir nicht…. Äh ja …Ok, tatsächlich kann ich unheimlich viel einfach von der Stange kaufen wenn meine Größe vorhanden ist. Wird aber erst ab einer Deutschen 36/38 geordert fällt das nicht wegen meiner „Problemgrösse“ flach sondern weil ihr das nicht anbietet ihr Dumpfbacken. Auch wenn ich weiß das es nicht meine Schuld ist, ich eine ganz normale Figur habe und normal groß bin, tut es weh so etwas zu hören. Selbst wenn es eine Freundin im Scherz sagt hat es immer einen hässlichen Beigeschmack. Man bekommt das Gefühl sich fett fressen zu müssen nur um als normal durch zu gehen. Sehr oft stehe ich vor dem Grössenproblem welches der ein oder andere Laden dann damit lösen möchte mein Objekt der Begierde zu bestellen. Natürlich sehr oft gegen Anzahlung und Abnahmeverpflichtung. Hmmm … und wenn das gewünschte Teil, was ich übrigens problemlos mit kürzerer Wartezeit und Umtauschrecht im labeleigenem Onlineshop ordern kann, dann da ist und nicht passt muss ich es kaufen. Tolle Alternative die mir ausschließlich Vorteile sichert. Ich hoffe ihr seht die Ironie.  

Keine andere Wahl 

Ich musste mir viele Vorwürfe anhören warum ich mich dem Stress des lokalen Shoppings nicht mehr aussetzen möchte. Ich wurde als egoistisch und unsolidarisch tituliert. Geradezu verwerflich sei doch mein Verhalten. Am Anfang machten mich diese Vorwürfe sehr traurig. Unterstütze ich doch den lokalen Einzelhandel wo immer ich kann und sogar beruflich, mittlerweile weiß ich aber das ich einfach keine andere Wahl habe. 

Gewisser Egoismus ist gesund 

Warum soll ich für viel Geld meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche hinter denen anderer anstellen, die mir nichts anderes bieten als Nachteile? Es ist nicht mein falscher Geschmack, mein falscher Körper, meine kleinen Füße oder meine Unflexibilität die mich aus Ladengeschäft in den Onlineshop getrieben haben sondern einfach Angebot und Nachfrage. Mir wird schlichtweg nicht geboten was ich suche. Und natürlich bekomme ich Vorwürfe zu hören, dass ich den Schneider um die Ecke nicht unterstütze weil ich einfach zu große Kleidung ändern lasse. Nur was habe ich bitte davon außer mehr Kosten, wenn ich gewünschtes Teil bei kürzester Wartezeit in meiner Größe online bekomme? Nichts. Man kann mich gerne egoistisch nennen wenn ich beim Shopping keine Abstriche machen möchte und mir durch Treue im Onlineshop auch noch Vorteile sichere. Ich persönlich fände alles andere schlichtweg dumm. 

Und zu guter letzt 

Trotz alle dem möchte ich an dieser Stelle nochmals sagen, dass ich selbstverständlich den lokalen Handel vorziehen würde, wenn er mir das bieten würde was ich suche. Bei Second Hand Waren tue ich es ja auch. Ich würde auch gerne die Verkäufer bitten doch vielleicht etwas sensibler mit den Menschen umzugehen, die genaue Vorstellungen von dem haben was sie suchen und das eine stinknormale Größe 34 keine Problemgrösse ist. Sehr oft macht doch der Ton die Musik. Gerade in Frankfurt kommt man sich hier des öfteren wie ein Bittsteller vor doch bitte sein Geld in betretenem Laden ausgeben zu dürfen. Traurig aber wahr. Schlussendlich bleibt es aber natürlich jedem selbst überlassen ob er Online oder Offline shoppt. Ich persönlich genieße lieber das Angebot und den Service von Mytheresa und fühle mich und meine Wünsche dort ernstgenommen und wertgeschätzt. So macht Shopping dann auch Lust ohne Frust, denn ich musste noch nie etwas zurück senden weil es nicht passte oder nicht gefiel.  

Love, Stefanie 

11 Kommentare

  1. Britta
    Juni 7, 2020 / 08:34

    Guten Morgen Stefanie,

    Ich bin echt froh das es hier in meiner Stadt noch so kleine schnuckelig Boutiquen gibt in der Innenstadt . Die großen Ketten sucht man hier vergeblich,die haben sich außerhalb in den Shoppingcentern angesiedelt.
    Die meisten „Fashionistas“ kaufen bei Zara und Co online, und machen dann ihr unpacking auf Insta. Da ist es echt egal ob sie im Laden oder Netz kaufen .

    Hab einen schönen Sonntag

    • Juni 7, 2020 / 11:45

      Hi Britta,

      Ich empfinde jemanden der ausschließlich bei Zara und Co kauft nicht als Fashionista. Für mich sind diese Personen Mitläufer die Trends hinterher hecheln. Denn eines ist klar, auch wenn zara und co. schnell im kopieren und nachmachen sind, so sind sie trotzdem immer ein wenig hinten dran. Unboxing von Zara und dann erworbenes präsentieren um es dann sogleich wieder zurück zu senden ist in meinen Augen das aller letzte. Authentizität bleibt hierbei auch aus. Lieber mal weniger Einzel Teile zeigen die man wirklich besitzt und die verschiedenen Kombinatios Möglichkeiten aufzeigen. Das entspricht dann auch dessen wie die Damen sonst zu sehen sind.

      Bei dir gibt es tatsächlich sehr schöne Geschäfte, das weiß ich noch von meinem letzten Aufenthalt. Da ist meine Größe auch nicht das Problem.

      Beste Grüße
      Stefanie

      • Britta
        Juni 7, 2020 / 12:42

        Ich bin da komplett bei Dir ❤️ und sehe es genau so wie Du

  2. EvelinWakri
    Juni 7, 2020 / 09:35

    Liebe Stephanie!
    Tja, ich brauche in keines dieser Nobelläden in der Innenstadt von Wien gehen. Erstens wird da das Klientel Tourist sowieso bevorzugt und dann bekommt man gleich auf die Nase gebunden, dass meine dicke fette Größe von 40/42 erst gar nicht produziert wird, da es nicht schön an kleinen wohlproportionierten Frauen aussieht. In Wien findest Du die 34 sicher…
    Ich kaufe lieber in den Nebengassen in meinen kleinen Boutiquen, wo es wirklich gute Qualität, aktuelle Fashion aber von halt nicht so bekannten Marken. Wir haben in Wien einige Bezirke die gut erreichbar sind und dort findet man Jungdesigner und poppige Mode. Keine Massenware.
    Doch zur Zeit ist es etwas schwierig, da natürlich fast alle noch im Sale die alte Ware ausverkaufen um die Lager leer zu bekommen, da die Sommerware in den Läden von Labels noch gar nicht geliefert wurden, wegen Corona Shutdowns.
    Ganz liebe Grüße
    EvelinWakri

    • Juni 7, 2020 / 11:40

      Hallo Evelin,
      Stimmt, in Wien bekomme ich immer recht gut das was ich Suche, generell ist das im Ausland kein Problem. Die Luxus Labels wie Chanel z.b. haben hier auch meine Größe da, nur wer ist gewillt und kann soviel Geld für Kleidung investieren? Mal ein Teil Ok, aber die ganze Garderobe?
      Beste Grüße
      Stefanie

  3. Juni 7, 2020 / 14:45

    Das ist vielleicht von Großstadt zu Großstadt unterschiedlich. In Berlin und München finde ich auch in der Innenstadt hübsche kleine Lädchen, man muss nur mal in die Seitenstraßen abbiegen.
    In Frankfurt werde ich bei other Stories fast immer fündig. Ist halt genau mein Stil.
    Ich denke, in Zukunft werden die Leute wieder mehr Online bestellen, einfach weil sie es
    in der Quarantäne Zeit so machen mussten. Ich versuche eine gute Mischung für mich zu finden.
    Lieben Gruß

    • Juni 8, 2020 / 08:44

      Hi Cla,

      Ich finde tatsächlich in HH immer alles was ich mag, aber nicht in FFM … es gibt aber hier auch kaum einen Laden der meine favorisierten Brands führt. An other stories ist Bett, aber ich mag es für mich nicht, ist wie zara und co. Marcell von Berlin fand ich extrem cool, aber der ist ja weg und das was pfüller anbietet nur eine mini Auswahl. Aber das war ein Laden wie er mir auch von der Aufmachung sehr zusagte … So etwas vermisse ich hier in ffm schon

      Beste Grüße

  4. Juni 7, 2020 / 15:20

    Liebe Stephanie,

    Irgendwie habe ich da andere Erfahrungen gemacht als du. Wobei ich auch lieber gleich zu Chanel in Paris gehe als auf die Goethestr. Aber das ist mein Geschmack.

    Tatsächlich würde ich diesd schnuckeligen Läden jetzt nicht in der Innenstadt erwarten. Obwohl es sie ja auch gibt. Und da Frankfurt ja fußläufig ist, sind die kleinen Läden in Sachsenhausen oder im Nordend schnell erreicht.
    Hab ich schon oft drüber geschrieben……..Liebe Grüße zu dir! Sabina

    • Juni 8, 2020 / 08:40

      Hi Sabina,

      Ich kenne die Läden in Sachsenhausen und auch im Nordend … beides für mich im Vergleich zur Innenstadt relativ weit weg und ich finde dort nichts was mir zusagt.

      In HH finde ich alles was ich mag quasi ums Eck

      Beste Grüße
      Stefanie

    • Juni 8, 2020 / 08:46

      Hi Sabina,

      also ich habe, auch wenn ich die Auswahl kenne, meinen Laden hier in Ffm definitiv noch nicht gefunden. Und ich kenne wirklich viele

      LG Stefanie

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