Frühlingsball oder Kuriositäten Kabinett?

Der Frühlingsball im Frankfurter Palmengarten warb mit grossen Worten, sprach in seiner Einladung von einer rauschenden Ballnacht, einem Highlight für Frankfurt.
Von diesen grossen Worten ließ auch ich mich umnebeln … oder sollte ich besser blenden sagen?

Nun gut. Aber wir stellen das Program mal auf Anfang und beginnen von vorne.

Nachdem eine liebe Freundin gerne auf den Frühlingbsball im Palmengarten gehen wollte, besorgte ich uns Karten und wir begaben uns auf Kleidersuche. Schließlich möchte Frau bei einer, wie beworben „rauschenden Ballnacht“, auch traumhaft schön aussehen. Besagte  Suche nach einem hübschen Ballkleid gestaltete sich in Frankfurt kurzfristig schon als wirkliche Herausforderung und ich stellte frustriert fest, dass ich mit meiner Kleidergröße 34 keine Chance habe ein passendes Kleid zu finden. Egal welches Budget zur Verfügung steht, es passte nicht ein einziges Kleid und nach gefühlten 1000 Anproben und in Anbetracht der Wettervorhersage gab ich die Suche nach einem neuen Kleid auf (alleine besagte Suche wäre einen gesonderten Artikel Wert). Ich entschied mich für ein älteres Model,  welches ich bereits besaß. Im Nachhinein eine weise Entscheidung. Aber dazu komme ich später.

Nach der ganzen Aufregung im Vorfeld war es nun endlich soweit. Der grosse Tag war gekommen. Nachdem der Friseur uns aufgehübscht hatte machten wir uns auf den Weg. Die erste Ernüchterung stand uns schon beim verlassen des Wagens, der uns zur Location brachte, bevor.
Man konnte weder vorfahren, noch gab sich der Veranstalter die Mühe den ausgelegten roten Teppich zu unterpolstern. Jeder Stein des wirklich unebenen Kopfsteinpflasters war zu spüren und wurde bei eisigen Temperaturen zur wirklichen Herausforderung, für jede Frau in High Heels, sich nicht die Knöchel zu brechen. Nach einem schier nicht enden wollenden Weg hatten wir es nun endlich geschafft. Wir erreichten das Entrée. Außer dem roten Teppich erinnerte hier nichts an einen Frühlingsball, abgesehen von den Gästen im vermeintlich feinen Zwirn – auch hierauf werde ich später zurückkommen. Nüchterne Kälte, nicht nur als Ambiente, empfing uns. Die Mäntel an der Garderobe abzugeben bedeutete schlotternd auf Einlass zu warten. Ok, auch diese Hürde meisterten wir und endlich durften wir den wahren Ort des Geschehens betreten.

Trotz der sehr frischen Temperaturen, ich dankte mir immer noch selbst ein Kleid mit langem Ärmel inklusive Rollkragen gewählt zu haben, wurden unsere Sinne vom Duft und Anblick hunderter Frühlingsblumen betört. Wirklich ein wahrer Rausch der Sinne, der leider sehr schnell wieder eingestampft wurde. Vorherrschend waren aufeinmal der Geruch von gekochten Würstchen und wieder ein mehr als kaltes Ambiente.

Nun gut, ich möchte nicht ungerecht sein. Der Hauptsaal mit seiner Empore sah prächtig aus. Selbst wenn die Tische, auch später am Abend eher überladen mit Gläsern und Flaschen waren und dadurch das Gesamtbild doch etwas getrübt wurde. Ich denke der Service ist  generell zu verbessern, denn auch im Raucherbereich, ein sehr hell erleuchteter Raum mit Glasfronten, welcher von der Empore gut einsehbar war und das Gefühl in einem hervorrief man sei eine aussterbende Rasse in einem Zoo die begafft werden müsste, bestach durch dreckige Tische und überquellende Aschenbecher. Schön ist anders.

Diese Stichworte veranlassen mich auf das Publikum und dessen Kleidungsstil zu kommen.
Die vorherrschende Frage des Abends die mir einfach nicht aus dem Kopf wollte und die ich bis heute nicht für mich beantworteten konnte ist diese:
Habe ich mich in der Veranstaltung getäuscht?
Bin ich auf einem Ball oder doch eher auf einer Karnevals-Veranstaltung?

Nicht nur durch die Geschmacksfreiheit vieler dargebotener sogenannter Abendroben, sondern auch in Anbetracht der Möchtegern-Prominenz. Wenn es Das ist was Frankfurt als seine wertvollen Mitbürger, seine aushänge Schilder, seine Botschafter betrachtet, so schäme ich mich in Grund und Boden für Frankfurt. Mir wurde bewusst warum wirkliche Grössen diesem Ball fern bleiben.
Ehrlich gesagt, ich kam mir vor wie bei einem internen Treffen von RTL & Co.
Die schlechtesten und wirklich uninteressantesten -abgesehen davon wenn man auf billig und Skandal steht – niveaulosesten Protagonisten waren am Start. Von den Plastik Damen die zugedröhnt um Aufmerksamkeit betteln bis zum Dschungelkamp dominierte der heissluftfinanzierter Mikrokosmos an diesem Abend. Traurig aber wahr.

 

Mein Resümee
Mein Mitleid gehört all denen die sich für diesen Ball in Unkosten stürzten und eine „Rauschende Nacht“ erwarteten. Berauscht war wohl nur der ein oder andere Gast. Ein jeglicher Klasse und Stil entzogenes peinliches Armutszeugnis für Frankfurt.
Schade um die eigentlich schöne Location und schade um die vertane Zeit.

Eure Laureus

 

Ps. Wie immer an dieser Stelle…

…selbstverständlich handelt es sich hier ausschliesslich um meine eigene Meinung und sollte sich jemand angegriffen fühlen entschuldige ich mich schon mal im Voraus. Natürlich kann ich mich auch täuschen und bin einfach zu blond dazu dieses mir dargebotene Theater zu verstehen denn: über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten 😉

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