Der Teufel trägt Chanel

Der Teufel trägt Prada, ein Film den wohl jeder kennt, steht für meinen heutigen Ausflug in mein momentanes Leben Pate. Wie ihr sicherlich bemerkt habt lasse ich mir kleine künstlerische Freiheiten in meiner Erzählung die, ob ausgedacht oder der Wahrheit entsprechen, ich eurer Interpretation überlasse. 

Wie alles begann…

Ja, Miranda…“ War die Antwort meiner Assistentin als ich sie aufforderte doch bitte die Pakete, die noch zur Post mussten alle auf einmal mit zu nehmen. Fröhlich stapelte ich weiter einen enormen Turm auf ihren ausgestreckten Armen und gab ihr dabei weiterhin Dinge in Auftrag, die sie nicht vergessen sollte. „Ich brauche Nasenspray aus der Apotheke, und Kaffee, du musst noch Kaffee besorgen, fünf mal Schwarz und einmal Vanille, ach ja, und besorge mir dann gleich noch auf dem Rückweg ein Marzipan Croissant… und bevor ich es vergesse, die Anfragen müssen noch eingepflegt werden und …“ „Ja Miranda!!!“ Der Ton ließ mich innehalten und kurz verstummen bevor ich ein Lächeln nicht unterdrücken konnte und grinsend fragte „Ja, Emily?“… „mein Name ist Andy!“ „ich finde Emily aber schöner, ab heute bist Du meine Emily“ wir mussten beide lachen, aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass meine wundervolle und liebe Assistentin und auch Freundin Beatrice sich diesen Namen wahrlich verdient hat. Meine persönliche und nicht zu ersetzende Emily, die mich als einzige Miranda nennen darf. Und dieses übrigens äußerst großzügig auch tut. Zu recht, wie ihr gleich lesen werdet. 

Launisch und genervt 

Nicht von den aktuelle geltenden Maßnahmen bin ich Anschlag genervt und gefrustet, sondern vielmehr von der Tatsache, dass ich durch meinen Unfall quasi Bewegungsunfähig wurde. Nichts schlimmeres gibt es für einen aktiven Menschen wie mich, als nur mit seinem Hintern auf dem Sofa sitzen zu dürfen und brav das geschundene Füsslein hoch zu legen. Nahm ich es anfangs noch geduldig auf kam das erste große Jammern bereits in Anbetracht der Tatsache meinen geliebten Karl in die treuen Hände von Emily zu übergeben. Nicht das ich eine Sekunde daran zweifelte, dass sie meinem Herrn auf vier Pfoten gerecht wird, nein, ich war sicher sie würde ihn verwöhnen bis zum geht nicht mehr. Vielmehr fehlte mein Hund mir. Alleine seine Abwesenheit irritierte mich. Unabhängig davon, dass ich die Gassirunden vermisse war es auf einmal unendlich leer in meinen vier Wänden. Mir war tatsächlich auch nicht bewusst wieviel Geräusche meine Wohnung so von sich gibt. Normal habe ich da ja meine kleine Alarmanlage auf dem Bettvorleger liegen, der mir schon sagt ob der Kühlschrank nur brummt oder eine echte Gefahr droht. Dazu kommt die Abhängigkeit. Nicht alleine einkaufen gehen zu können, die Wäsche in die Maschine ein Stockwerk tiefer zu bugsieren, die Bude zu putzen. Ich sage nur es ist grässlich und zerrt an den Nerven. Kann ich meinen Job im großen und ganzen noch vom Sofa aus erledigen liegen die Nerven trotzdem blank. Ich muss raus, koste es was es wolle…

Ein Ausflug mit Miranda 

Emily kam diesen Morgen pünktlich zum Meeting und versorgte mich mit frischen Leckereien inklusive Kuscheleinheiten von meinem geliebten Karl als ich ihr präsentierte wir würden nur zwei Stunden arbeiten und dann gemeinsam alle Besorgungen erledigen. Ihre Widerworte erstickte ich mit tadelndem Blick im Keime und so erledigten wir alles wichtige in Rekordtempo. Alles andere konnte warten. Der Teufel fordert Freigang! Emily sammelte also alles zusammen, holte das Auto und verfrachtete mich hinein. Die erste Hürde war schon mal genommen, ich war draussen. „Ich muss zur Bank, fahr da links und dann geradeaus, nein bleib auf dieser Spur, da vorne rechts, Vorsicht da ist rot!“ ach, was kann ich ein herrlicher Beifahrer sein. Vor der Bank geparkt und aus dem Wagen gehieft humple ich auf Krücken im Stechschritt zur Bank. Emily noch damit beschäftigt die Parkuhr zu füttern lasse ich einfach stehen. Sie hechtete hinter mir her, gerade rechtzeitig um einen Sturz zu vermeiden, was sind die Fliesen mit Krücken auch so glitschig? Das ist ja gemeingefährlich! Schimpfend wie ein Rohrspatz mach ich mich über den Automaten her, Emily diktiert brav und ich tippe auf der Tastatur ein. Normal läuft das umgedreht. Ich rede sie tippt, aber was soll’s, haben wir mal kurz die Rollen getauscht. Endlich ist die letzte Überweisung getätigt und ich wende mich schwungvoll um nur um meine Krücke wegzuschiessen, die hatte ich doch glatt einen Moment vergessen. Mein rettender Engel war augenblicklich schon zur Stelle, klaubte auf was ich quer durch die Bank geschossen und reichte mir freundlich meine verhasste Gehilfe. Ärgerlich griff ich danach, war sie doch der nicht zu überstehende Beweis meines momentanen Handicaps. Meine Launen schon kennend kam von der Seite „warte Miranda, ich hole den Wagen“ „nein, wir gehen jetzt zu DM“ „das ist zu weit, dass schaffst du nicht“ „sag mir nicht, was ich nicht schaffe! Was ich will das schaff ich! Und ich will zu DM, ich muss mal was anderes sehen, ich will durch die Gänge gehen,“ Wild entschlossen stapfte ich los, im Sturmschritt so schnell mich meine Krücken trugen, 100 Meter, 110 Meter, schnaufend, keuchend 200 Meter, scheisse tut das weh! Aber ich gehe weiter schimpfe vor mich hin, beschwere mich, im Schlepptau immer meine liebe Emily. Geduldig verweist sie auf den Fahrstuhl den ich wohl oder übel nehme und dann sind wir angekommen, im Paradies. Meine Laune bessert sich nur Sekunden denn schon das nächste Hindernis. Wie nimmt man das blöde Körbchen mit Krücken in die Hand? Da ist sie wieder, mein Engel, nimmt mir ruhig das Körbchen ab und trottet brav hinter mir her währenddem ich shoppen gehe. Alles packt sie ein während ich bezahle, ihr könnt euch nicht vorstellen wie ich da strahle. Meine Motivation, die ist zurück, jetzt gibt es kein halten mehr, Nespresso ist mein nächstes Ziel, sie „das ist Zuviel!“ aber ich wäre nicht Miranda wenn ich mir jetzt rein quatschen lassen würde, schließlich habe ich Würde! Ich Stiefel wieder zackig los, mittlerweile brennen mir die Handballen wie Feuer, eine kurze Pause die muss sein, „ich hole das Auto“ „nein! Ich schaff das, nimm meine Jacke und sei still,“ oh ja, mich muss man einfach lieben! Auf unserer weiteren Strecke, der Schweiß fließt bei mir in Strömen, bekommt meine liebe Emily einen gratis Lehrgang in Gossen-Sprache und sie ist sichtlich erstaunt über mein Repertoire, welches ich zum besten gebe. Ich sage doch, man lernt nie aus! Gerade Sprachen sind so wichtig und deren richtiger Gebrauch. Ich hätte da sicherlich noch einiges zum besten gegeben hätte mir nicht die Puste gefehlt um mich zu artikulieren. Also schleppte ich mich wild schnaufend und japsend Meter für Meter zum anvisierte Ziel. Mit einem stillen Mantra in meinem Kopf, noch ein Schritt und noch einer, komm es sind nur noch 100 Meter, 50, 20, 10, geschafft. Die Verwandlung als gehe eine Kamera an, ein Strahlen im Gesicht: hier bin ich! Ach, wie ich es liebe, wie sie alle sofort springen und hüpfen um mir ein angemessenes Lager zum verschnaufen an zu bieten. Der nette Schnack, ein Sofa auf dem ich throne, glücklicher kann ich nicht sein. Prosecco, Champagner muss es nicht immer sein. Umschwärmt von fleißigen Bienchen, die alle zur Unterhaltung beiwohnen wollen, kümmert sich Emily um das essenzielle. Sie kauft den täglich benötigten Stoff beim Lieblingsdealer, heute wundert sich niemand, dass sie mit meiner Karte zahlt. Der Herrscher über das köstliche Gesöff nimmt nicht nur dankbar meine Karte von ihr entgegen sondern flirtet hemmungslos mit ihr, anstelle von mir. Aber in Anbetracht meines Glückes stehe ich da gnädig drüber. Wobei meine Gutmütigkeit mit den Worten „jetzt warte hier, ich hole den Wagen“ sofort wieder verraucht, „nein ich schaff das letzte Stückchen auch.“ 

Fortsetzung folgt …

8 Kommentare

  1. EvelinWakri
    Februar 10, 2021 / 10:06

    Sorry liebe Stefanie,
    aber ich habe schallend gelacht und alles spielte sich direkt vor meinen Augen an, wie im Film. Da ich ja Deine Stimme vom Telefonieren kenne, konnte es nicht realer sein, diese tolle Geschichte. Verstehe Dich und leide mit Dir mit, doch immer schön geduldig bleiben, sagt die die nicht mal weiß wie man Geduld schreibt.
    Bin gespannt auf die Fortsetzung…
    Gute Besserung und dicke Umärmelung
    Evelin

    • Februar 10, 2021 / 15:01

      Danke liebe Evelin und wenn du laut gelacht hast habe ich definitiv mein Ziel erreicht
      Ganz liebe Grüße
      Stefanie

  2. Britta
    Februar 10, 2021 / 19:57

    Ich war definitiv dabei , hast mich voll abgeholt ❣️
    Bin gespannt wie es weiter geht !

    Lieben Gruß

    • Februar 10, 2021 / 20:00

      Das freut mich sehr liebe Britta … mal sehen ob ich es vor dem We schaffe die Fortsetzung zu posten – LG

  3. Ingrid Gebele
    Februar 11, 2021 / 12:47

    Deine Geschichte hat mich zum abmachen gebracht ich hatte Kopfkino pur …. ja ohne Hundi ist es einfach fad…. sei froh dass du deine “ Emely“ hast die muss ja süß sein weiterhin gute Besserung und Gelassenheit wünscht dir von Ingrid

    • Februar 11, 2021 / 13:54

      Hi Ingried

      Lachen ist immer gut und du kannst mir glauben, ich bin sehr dankbar meine Emily zu haben

      Liebe Grüße
      Stefanie

  4. Elke
    Februar 13, 2021 / 11:16

    was soll ich sagen

    Guten Morgen, und ich bin gespannt

    Liebe Grüße
    Elke

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