Bye Bye 2020

Alle Jahre wieder lassen viele Menschen das Jahr am heutigen Tag Revue passieren und freuen sich auf das Neue. Auch ich bin dieses Jahr zwischen den Jahren in Nachdenklichkeit verfallen. Revue ließ ich jedoch nicht nur das vergangene Jahr passieren, sondern blickte auch einmal auf diese besondere Zeit zwischen den Jahren in der Vergangenheit. Tatsächlich kann ich mich nicht mehr daran erinnern wann ich mal bedauert habe dass ein Jahr vorbei war. Jedes mal war ich froh es geschafft zu haben und blickte neugierig auf das, was mich wohl im nächsten Jahr erwartet, immer in der Hoffnung es würde besser werden. Nun ist der Winter, gerade der November (obwohl ich da Geburtstag habe) und der Dezember so gar nicht meine Zeit. Immer wieder kämpfe ich hier mit fast schon depressiven Verstimmungen und schaue mit düsterem Blick auf das was da wohl kommen mag. Keine Ahnung warum ich dieser Zeit, die andere so genießen mit solch einer Abneigung begegne. Vielleicht weil mir die Sonne und Wärme fehlt und ich jedes Jahr das Gefühl habe auf dem Zahnfleisch zu gehen und die nötige Kraft für all das was noch erledigt werden muss nicht mehr auf zu bringen vermag. Jedes Jahr aufs Neue fehlt es mir in dieser Zeit an Motivation und ich schleppe mich durch meine Aufgaben. Letztes Jahr war es etwas anders, ich war zwar wie eh und je zu dieser Zeit erschöpft, aber ich freute mich so sehr auf den Beginn des neuen Jahres, dass es mir nicht weiter schwer fiel alles zu deichseln. Dieses Jahr begann für mich mit einem beruflichen Aufenthalt in Australien, viele verfolgten es auf Instagram und ich blühte dort regelrecht auf. Meer, Strand und Sonne entschädigten mich für lange Arbeitstage und Stress. Als ich zurück kam ging es weiter in einem kaum durchzuhaltendem Tempo. Eine Veranstaltung jagte die nächste und bis in den März hinein war ich kaum einen Tag zu Hause. Kurz bevor der erste Lockdown kam schwamm ich auf meiner Erfolgswelle und dachte doch tatsächlich unbesiegbar zu sein. Jedes Warnsignal meines Körpers ignorierend preschte ich weiter voran bis mein Körper sich gegen die ewige Überforderung wehrte. Von Hundert auf Null ausgebremst musste ich mich plötzlich mit Krankheit auseinandersetzen. (Meine Freundin mag nicht wenn ich es so tituliere und möchte das ich es Elise, Gudrun oder wie auch immer nenne, nur eben nicht beim tatsächlichen Namen) Nicht einem leichten Schnupfen sondern etwas was an den Nerven zerrt, etwas was einem Angst macht und einem seine Verletzlichkeit aufzeigt. Mir den Raubbau den ich Betrieb aufzeigte. Ich schrieb darüber dass ich Schach Matt gesetzt wurde und zu Ruhe verdonnert war. Froh über den Lockdown, denn meine gesundheitlichen Probleme fielen genau in diese Zeit, und so musste ich niemanden Rechenschaft ablegen. Es fiel niemanden auf dass ich fehlte. Etwas was mir persönlich sehr wichtig ist weil ich Krankheit als persönlichen Makel ansehe. Etwas was ich nicht akzeptieren kann und will. Langsam aber sicher kämpfe ich mich zurück, achtete auf möglichst viel Ruhe und hoffte und bangte. Dann kam der Sommer und ich war immer wieder frohen Mutes um dann einen neuerlichen Verlust hinnehmen zu müssen. Kaum begreifen konnte ich es, dass ein geliebter Mensch nun nicht mehr da war, bis heute schaffe ich es nicht es zu glauben und die Traurigkeit ist zu einem ewigen Begleiter geworden. Dazu kam dann noch die unsichere Situation was passiert denn nun. Wann geht der Virus wieder von dannen, wann haben wir ihn im Griff? Wann dürfen wir wieder unserem Job nachgehen. Denkt man beim ersten Lockdown noch das schaffst du locker, Du hälst so und so lange durch, so wird es beim nächsten schon kritischer. Mit jeder abgesagten Veranstaltung machte sich in mir die Angst es finanziell nicht mehr stemmen zu können breiter. Angst ist natürlich nicht gerade ein Motivator und so zog es mich runter, die Hoffnungen wurden immer geringer die Sorgen größer und der Körper zeigte deutlich, gesund bist du noch lange nicht. Eine Hiobsbotschaft jagte die nächste und ich tat das was ich immer tue in solch Situationen ich zog mich zurück. Denken und überlegen wie ich dem Drama begegnen kann und Abschied nehmen bedeutet sowas für mich. Flexibilität hilft hier ungemein. Schon früher als ich durch einen Unfall meinem Traumjob nicht mehr nachgehen konnte bewies sie mir gute Dienste. Damals war es ein Unfall der mich daran hinderte mein Ziel zu erreichen, heute ist es der verdammte Virus der die ganze Welt in vielen Teilen zum Erliegen bringt. Eine alte Idee wurde also aufgegriffen und wie eine verrückte arbeitet ich daran die Idee umsetzen zu können. Ein neues Ziel war also schon mal geboren. Eines von vielen. Denn neben den neuen beruflichen Herausforderungen muss ich zugeben dass ich mir in anderen Bereichen auch nicht gerecht wurde. Mir und meinem Körper. Ich würde es nicht hängen lassen nennen, dennoch achtete ich das komplette Jahr weniger auf meine Ernährung (mit Ausnahme von Gudrun als sie akut und lästig mein Leben bestimmte) und Sport als ich es sonst tue. 

Zurück ins Leben 

Vorletztes Jahr nahm ich mir vor sportlich aktiver zu sein und meinen alten Körper in guter Form zurück zu erhalten. Damals gelang mir das in kürzester Zeit. Was einem Wunder glich beachtet man wie ungerne ich mich sportlich betätige. Mit Ausnahme des Reitsports, aber für den fehlt mir die Zeit. Warum es sich danach einschlich dass ich sportlich immer Träger wurde weiß ich nicht (eine schamlose Lüge, natürlich weiß ich woran es lag). Also ist auch dieses Jahr ein neues Ziel neben dem beruflichen geboren. Selbsterklärend nach einem Jahr Pause, zurück zu einem gesunden Körper den ich mag. Der definiert ist und mir nicht täglich aufzeigt, dass ich mich hängen ließ. Natürlich reicht da wohl nicht mehr die halbe Stunde Sport in der Woche, und auf die Ernährung zu achten. Aber das habe ich mir schließlich selbst eingebrockt. Das dieses Jahr Silvester nicht mit Party und Co verbunden ist macht es mir leichter auf vieles zu verzichten. Wobei ich Silvester meistens sowieso immer wegen meinen Tieren zu Hause war. Schließlich mögen sie die Knallerei gar nicht. Prinzipiell fällt mir Verzicht aber sowieso nicht wirklich schwer. Vielleicht liegt es an den Jahren des Leistungssports, die mich das lehrten. Vielleicht auch einfach das Wissen, dass alles seinen Preis hat, dass man Willen und Konsequenz, oft auch ein wenig Mut, braucht um seine Ziele zu erreichen. Egal um was es sich handelt. Manchmal muss man sich aber auch einfach nur zu einem Entschluss durchringen der oft damit verbunden ist Türen zu schließen um andere öffnen zu können. Die Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen aber ich denke einige hadern mal mit dem Zahn der Zeit der an einem nagt. In diesem Bezug (bzw. in Bezug auf Frauen ab einem gewissen Alter) sagte letztlich erst ein lieber Freund zu mir „zu viel Historie“. Darüber dachte ich lange nach und muss ihm leider recht geben. Wir (ich) schleppe unendlich viele Erfahrungen mit mir herum, viele davon sind nicht positiv und so lassen sie uns manchmal an den falschen Stellen misstrauisch werden oder zweifeln. Früher gab es keinen Zweifel für mich. Ich wusste einfach dass ich mein Ziel erreichen werde. Meine tiefste Überzeugung war damals ich bekomme alles was ich haben will. Verlust und Misserfolge waren mir fremd und so trat ich jeden neuen Schritt in meinem Leben mit unendlichem Selbstvertrauen und Elan entgegen. Dieses Gefühl der Unbesiegbarkeit könnte man heute als Überheblichkeit ab tun. Sicher, möchte man es negativ als maßlose Überschätzung seiner Selbst bewerten. Ich hingegen denke es war eine gute Eigenschaft die mir irgendwann ein wenig verloren gegangen ist weil ich mich zu viel mit der Vergangenheit beschäftigt habe. Es ist wie wenn man vom Pferd fällt. Es bringt nichts lange zu grübeln warum weshalb wieso und dabei vergisst man gleich wieder auf zu sitzen. Fällt man vom Pferd muss man sofort wieder aufsteigen. Sonst bleibt die Angst erneut zu stürzen und auch das Tier spürt diese Unsicherheit. Das bedeutet nicht, dass man über gemachte Fehler nicht nachdenken soll oder über negative Dinge die uns im Leben begegnen. Für mich bedeutet es aber ihnen nicht zu viel Gewicht zu geben. Manchmal passieren Dinge auch ohne das wir etwas falsch gemacht haben und auch vieles was sich unserem Einfluss einfach entzieht. „Was wäre gewesen wenn“ sind wohl die Fragen die uns am meisten Energie und Lebensfreude rauben. Genauso wie das Hadern mit sich selbst ohne aktiv dagegen vor zu gehen. Es bringt nichts die Winkearme und Dellen am Hintern als doof zu empfinden und die Schuld den Jahren die wir auf dem Buckel haben zuzuschieben. Die Jahre haben wir, aber die Dellen brauchen wir deswegen noch lange nicht. Wie schön, dass wir da aktiv gegen vorgehen können. 

Cheers 2021 

Ihr seht, mir fällt es dieses Jahr überhaupt nicht schwer mich von 2020 zu verabschieden, war es doch zu sehr geprägt von schweren  Stunden und unfassbaren Verlusten. Nie hätte ich gedacht so ein Jahr je erleben zu müssen oder überhaupt die Kraft aufzubringen es zu überstehen. Trotz all den Härten gibt es viele Dinge für die ich dankbar bin in 2020. Meine Familie, Freunde und mein Team, den Aufenthalt in Australien, und auch der Möglichkeit endlich einen langen Traum im nächsten Jahr umsetzen zu können, für den mir bisher immer der Mut fehlte. Ich bin auch dafür dankbar vieles loslassen zu können was nicht mehr in mein Leben passt. Zu mir passt. Und ich bin dafür dankbar endlich den Mut zu finden Türen zu schließen und nicht nur an zu lehnen, weil es einfach besser so ist. Die Schockstarre zu überwinden, Schritt für Schritt und irgendwann auch die Trauer, den Verlust ohne Abschied akzeptieren zu können. Das alles wird nicht von heute auf morgen verschwunden sein. Aber ich weiß, dass es es jeden Tag im neuen Jahr leichter werden wird. 

Schritt für Schritt …

Love, Stefanie 

6 Kommentare

  1. EvelinWakri
    Dezember 31, 2020 / 13:39

    Liebe Stefanie!
    Tief berührt und den Tränen nah, so nah gehen mir Deine offenen ehrlichen Zeilen. Unglaublich wie Du Deine eigenen Gefühle beschreibst. Man hält den Atem an und fühlt intensiv mit, das Glück und die Verzweiflung. Gott sei Dank kannst Du dieses Jahr 2020 verlassen und hoffnungsvoll mit Zuversicht ins neue Jahr 2021 blicken. Wünsche Dir einen großen Schritt hinein ins Neue dieses Mal glückliche Jahr. Dafür drücke ich die Daumen und schicke eine liebe Umarmung
    Cheers Liebes
    Evelin

  2. Britta
    Januar 1, 2021 / 12:03

    Guten Morgen Stefanie,

    Ich wünsche Dir von Herzen das 2021 viele gute Dinge für Dich bereit hält , und das Du deinen Traum wahr machen kannst, oder wenigstens einen gewaltigen Schritt näher kommst . Du bist eine unglaublich inspirierende und starke Frau, ich freue mich so Dich gefunden zu haben ❤️❤️❤️

    Happy new year

    Britta

    • Januar 10, 2021 / 15:25

      Vielen lieben Dank Britta, ich bin auch froh dich gefunden zu haben

  3. Katarzyna
    Januar 18, 2021 / 06:50

    Liebe Steffi,

    Hochachtung vor diesem sehr persönlichen Beitrag.

    Dazu kann ich nur sagen, dass auch ich vieles davon erlebt habe und weiß zu genau wie sich das anfühlt.
    Was davon richtig brutal ist, ist der Verlust des geliebten Menschen. Bei mir waren es zwei innerhalb von einem Jahr und ich habe mir im Anschluss meine Figur so richtig demoliert…

    Aber auch hier greift der Spruch, auch wenn man das am Anfang nicht glaubt, dass „die Zeit die Wunden heilt“. Vergessen tut man nie, die Trauer kommt in Wellen, die von Dir beschriebene Traurigkeit begleitet einen immer, aber mit der Zeit wird man einfach immer dankbarer dafür, dass dieser Mensch in Deinem Leben war. Es verändert einen auch und rückt den Focus auf die wirklich wichtigen Dinge.

    Ich wünsche Dir ein tolles 2021. Es freut mich sehr für Dich, dass Du eine Bekleidungsmarke gegründet hast und bin sehr gespannt auf die Teile.

    LG

    Katharina

    • Januar 26, 2021 / 17:06

      Hallo Katharina,

      Vielen lieben dank für deine schönen Worte

      Liebe Grüße
      Stefanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.